Studierst du mit Long Covid oder ME/CFS?

Wenn Alltag zur Belastung wird, braucht Studium flexible Bedingungen.

PAIS, Long COVID und ME/CFS …Was ist das?

Der Begriff „Postakute Infektionssyndrome (PAIS)“ fasst verschiedene länger anhaltende Erkrankungen, Syndrome und Funktionsstörungen zusammen, die nach einer akuten Infektion auftreten können. Sie entwickeln sich meist nach viralen Infektionen wie COVID-19 oder Influenza, können jedoch auch nach bakteriellen oder anderen Infektionen auftreten. PAIS können verschiedene Organsysteme betreffen. Häufige Symptome sind unter anderem Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Schmerzen, Schlafstörungen, Fatigue sowie Kreislaufbeschwerden. 

Was unterscheidet Long Covid und ME/CFS?

Long COVID ist ein Sammelbegriff für unterschiedliche gesundheitliche Langzeitfolgen nach einer SARS-CoV-2-Infektion. ME/CFS ist hingegen eine eigenständige Erkrankung, die häufig nach einer Infektion auftritt. Das Kernmerkmal von ME/CFS ist die Post-Exertionelle Malaise (PEM). Sie beschreibt eine krankhafte Adaptations-Erholungs-Dysfunktion, bei der die Anpassung und Regulation des Organismus bei der Verarbeitung von Anforderungen sowie die anschließende Stabilisierung und Wiederherstellung des Gesundheits- und Funktionszustands beeinträchtigt sind. Bereits geringe körperliche, kognitive, orthostatische oder sensorische Anforderungen können dadurch eine oft verzögert eintretende und teilweise langanhaltende Verschlechterung des Gesundheits- und Funktionszustands auslösen.

Obwohl viele Menschen von PAIS betroffen sind, ist das gesellschaftliche und medizinische Bewusstsein für diese Krankheitsgruppe nach wie vor gering. Betroffene erleben häufig lange Diagnosewege, fehlendes Fachwissen im Gesundheitswesen sowie eine unzureichende medizinische, therapeutische, pflegerische und soziale Versorgung. Die gesundheitlichen Folgen können zudem mit erheblichen finanziellen Belastungen verbunden sein, etwa durch Arbeits- bzw. Studierunfähigkeit, Einkommensverlust sowie zusätzliche Ausgaben für medizinische Versorgung, Therapien und Pflege.

Studierst du mit Long COVID oder ME/CFS? Informiere dich hier über Unterstützung und Nachteilsausgleiche an deiner Hochschule.

Hochschulen sind verpflichtet, Studierenden mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen ein gleichberechtigtes Studium zu ermöglichen und Benachteiligungen aufgrund einer Behinderung oder Erkrankung auszugleichen. Dafür stehen unterschiedliche Unterstützungsmaßnahmen und Nachteilsausgleiche zur Verfügung, etwa bei Lehrveranstaltungen und Prüfungen sowie beim Zugang zu hochschulischen Einrichtungen.

Die konkrete Ausgestaltung unterscheidet sich je nach Hochschule und individueller Situation. Nachteilsausgleiche sollen behinderungs- oder krankheitsbedingte Nachteile ausgleichen, ohne die wesentlichen Anforderungen des Studiums oder einer Prüfung zu verändern. Wenn du Unterstützung bei der Beantragung oder Durchsetzung eines Nachteilsausgleichs benötigst, kannst du dich an die zuständigen Beratungsstellen deiner Hochschule bzw. an deine ÖH wenden.

  • Nachteilsausgleiche bei Prüfungen. Studierende mit Behinderung haben an Universitäten das Recht auf eine abweichende Prüfungsmethode, wenn die reguläre Form behinderungsbedingt nicht möglich ist. Inhalt und Anforderungen der Prüfung bleiben dabei gleich. Das ist in § 59 Abs. 1 Z 12 Universitätsgesetz (UG) geregelt.
  • Anpassung des Curriculums. Für Studierende mit einer Behinderung im Sinne des Bundes-Behindertengleichstellungsgesetzes sind die Anforderungen des Curriculums zu modifizieren, sofern das Ausbildungsziel des gewählten Studiums weiterhin erreichbar bleibt (§ 58 Abs. 11 UG). Dies kann insbesondere relevant sein, wenn die Behinderung die Erbringung bestimmter im Curriculum vorgesehener Leistungen erschwert. Ein Grad der Behinderung oder Behindertenpass ist dafür nicht notwendig, aber ärztliche Befunde sind vorzuweisen. 
  • Erlass des Studienbeitrags. Der Studienbeitrag kann unter bestimmten Voraussetzungen erlassen werden. Dies gilt insbesondere, wenn Studierende nachweislich in einem Semester mehr als zwei Monate aufgrund einer Krankheit am Studium gehindert waren oder eine Behinderung von mindestens 50 % festgestellt wurde. Für Fachhochschulen und Privatuniversitäten gelten teilweise andere Regelungen, weshalb die jeweiligen Bestimmungen der Hochschule zu beachten sind.

Ich möchte mich an ÖH-Anlaufstellen wenden

ÖH-Beratung an Hochschulen. Studierende mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen können sich an das Sozialreferat, Referat für Barrierefreiheit und/oder Beauftragte:r für Studierende mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen ihrer Hochschule wenden. Diese Anlaufstellen beraten kostenlos zu deinem individuellen Fall, was Nachteilsausgleiche, angepasste Prüfungsbedingungen, finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten, Barrieren im Studium und Diskriminierung betrifft. Auch bei Problemen mit der Beantragung oder Umsetzung von Nachteilsausgleichen kann die ÖH beraten und unterstützen. Im Fall von abgelehnten Anträgen kann die ÖH rechtlich beraten, Einspruch erheben und mit verantwortlichen Personen intervenieren. 

Besondere Unterstützungsmaßnahmen der ÖH 

ÖH-Fonds für Studierende mit Behinderung. Studierende mit einer Behinderung können unter bestimmten Voraussetzungen finanzielle Unterstützung für behinderungsbedingte Mehraufwendungen im Studium beantragen. Die konkreten Voraussetzungen und erforderlichen Nachweise können individuell abweichen. Grundlegend sind es fachärztliche Gutachten, Studienbestätigung und Grund des Antrags. Eine vorherige Beratung kann als erste Einschätzung helfen. 

ÖH-Sozialfonds für Studierende in Notlagen. Bei einer finanziellen Notlage kann der allgemeine Sozialfonds der ÖH unterstützen. Dabei können unter bestimmten Voraussetzungen auch zusätzliche Kosten berücksichtigt werden, die beispielsweise durch Krankheit oder medizinische Behandlungen entstehen. Auch hier gelten bestimmte Voraussetzungen und Nachweispflichten, die bei der ÖH eingesehen werden können. Mehr Infos

ÖH Helpline. Die ÖH Helpline bietet Studierenden bei psychischen Belastungen kostenlose Beratung und Unterstützung sowie Informationen zu weiterführenden Hilfsangeboten. Mehr Infos

Ich suche Informationen zu PAIS.

Das Nationale Referenzzentrum für postvirale Syndrome an der Medizinischen Universität Wien soll dazu beitragen, die Versorgung von Menschen mit postakuten Infektionssyndromen (PAIS) in Österreich langfristig zu verbessern. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Vernetzung von Expert:innen, der Aus-, Fort- und Weiterbildung sowie dem Wissenstransfer in das Gesundheitswesen. Achtung: Das Nationale Referenzzentrum ist keine direkte Anlaufstelle für individuelle medizinische Beratung oder Behandlung. Allerdings werden nationale und internationale Erkenntnisse zu postakuten Infektionssyndromen gesammelt, aufbereitet und für unterschiedliche Zielgruppen zugänglich gemacht.

Ich suche Anlaufstellen für die medizinische Abklärung bei Verdacht auf PAIS.

Der Verein und die Betroffeneninitiative Long Covid Austria (LCA) hat basierend auf Empfehlungen von Betroffenen eine Liste von Anlaufstellen zusammengestellt. Gelistete Personen mit einem blauen Haken sind vom Verein verifiziert. Bitte beachte, dass es sich bei vielen der gelisteten Anlaufstellen um Wahlarzt_innen handelt und dadurch privat zu bezahlende Kosten entstehen können.

Ich suche Kontakt und Austausch mit anderen Betroffenen.

Für Menschen mit Long COVID, ME/CFS und anderen postinfektiösen Krankheitsbildern kann der Austausch mit anderen Betroffenen eine wichtige Unterstützung sein, insbesondere angesichts weiterhin bestehender Lücken in der medizinischen und sozialen Versorgung. 

Die Österreichische Gesellschaft für ME/CFS bietet auf ihrer Website Informationen zum Zugang zu einer Facebook- und einer Zulip-Gruppe, die als Möglichkeit der Vernetzung und gegenseitiger Unterstützung für Betroffene und Angehörige dienen. Mit der Suchfunktion können ältere Beiträge zu relevanten Themen gefunden werden, die bereits in der Vergangenheit diskutiert wurden. Mehr Infos

Auf ihrer Website bietet der Verein Long Covid Austria (LCA) Zugang zu einer Facebook- und Instagram-Gruppe, in denen sich Betroffene von Long Covid, Post Covid und ME/CFS österreichweit austauschen, vernetzen und gegenseitig unterstützen können. Bei sehr schwerer Betroffenheit, die eine Teilnahme unmöglich macht, werden auch Angehörige als Vertreter von Betroffenen aufgenommen. Es lassen sich im Feed bereits vorhandene Diskussionen zu verschiedenen relevanten Themen finden. Zur FB-Gruppe

Neben einer angemessenen medizinischen Versorgung stellt auch die soziale Absicherung für viele Betroffene eine erhebliche Herausforderung dar. Zur Orientierung über Unterstützungsleistungen, die beantragt werden können, stellt die Österreichische Gesellschaft für ME/CFS Leitfäden mit grundlegenden Informationen zur Verfügung. Mehr Infos

Die Arbeiterkammer vertritt alle Arbeitnehmer:innen in Österreich in vielen Belangen – auch wenn es um Arbeitsrecht, Pensions-, Kranken- und Unfallversicherung, Pflegegeldeinstufungen sowie Gesundheitsfragen am Arbeitsplatz geht.Während eines laufenden Arbeitsverhältnisses haben auch Student*innen Anspruch auf Beratung und Unterstützung durch die Arbeiterkammer jenes Bundeslandes, in dem sich dein Arbeitsort befindet. Bei Arbeitslosigkeit richtet sich deine AK-Mitgliedschaft nach deinem Wohnort. Mehr Infos

Der Behindertenverband KOBV Österreich ist eine gemeinnützige Interessenvertretung, parteipolitisch unabhängig und religiös neutral. Seine Mitglieder sind Menschen mit Behinderungen jeder Art und Ursache. Die Landesverbände des KOBV-Ö informieren und beraten ihre Mitglieder insbesondere in Sozialrechtsangelegenheiten und vertreten sie vor Ämtern, Behörden und Sozialgerichten. Mehr Infos

Die Behindertenanwaltschaft unter der Leitung von Mag.a Christine Steger berät und unterstützt Menschen mit Behinderungen, die sich aufgrund ihrer Behinderung diskriminiert oder benachteiligt fühlen. Die Anwaltschaft informiert über die Rechte nach dem Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz (BGStG) und dem Behinderteneinstellungsgesetz (BEinstG). Die Kontaktaufnahme ist kostenlos und wird vertraulich gehandhabt. Mehr Infos

Der Österreichische Verein ChronischKrank® bietet Beratung und Unter­stützung für chronisch kranke und beeinträchtigte Menschen in Österreich an. Das Beratungsangebot umfasst unter anderem Unterstützung bei Anträgen und Behördenwegen sowie in sozialrechtlichen Angelegenheiten, beispielsweise zu Pflege und Betreuung, Berufsunfähigkeit, Behindertenpass oder der Kostenübernahme für Behandlungen und Medikamente. Mehr Infos

Impressum

Herausgeber_innen: Österreichische Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft, Hochschüler_innenschaft an der Universität Wien;
Kampagnenkonzeption, -gestaltung und -wording Anna Rief, Iris Winter
Fachliche Redaktion Claudia Schreiner & Kevin Thonhofer (ÖG ME/CFS), Jana Winter (LCA)
Projektleitung Jana Winter (LCA & ÖH Uni Wien)
Projektmitarbeit Jana Winter, Claudia Schreiner, Kevin Thonhofer, Johannes Lintschinger, Johanna Lindner, Sara Rabanser, Anna Weisz
In Kooperation mit dem Verein & der Betroffeneninitiative Long Covid Austria (LCA) und der Österreichischen Gesellschaft für ME/CFS (ÖG ME/CFS)