Was wir uns 2026 von der Politik erwarten

9. Januar 2026

Damit das Jahr 2026 zu einem guten Jahr für die Hochschulen und uns Studierende wird, ist entschlossenes politisches Handeln erforderlich. Denn Herausforderungen gibt es viele: Zum Einen wird das Leben neben dem Studium zunehmend unleistbar. Während die Mieten und die Preise für Wohnheimzimmer in die Höhe schießen, nachhaltige Mobilität immer mehr zum Luxus wird  und sich die Inflation in allen Lebensbereichen spürbar macht, bleiben finanzielle Unterstützungsangebote nahezu unverändert. Für Studierende und Interessierte wird ein Studium damit immer mehr zum Wunschtraum.

Gleichzeitig frisst sich der Sparkurs der Regierung schleichend in die Hochschulbudgets: Nachdem bei den Unis schon zu Beginn der Legislaturperiode 129 Millionen eingespart wurden, kommen jetzt im Zuge von Umschichtungen nochmal Kürzungen in Höhe von 121 Millionen dazu. Die Vorzeichen für die anstehenden Verhandlungen über das Hochschulbudget für 2028 bis 2030 sind also trüb. Dabei braucht es dringend mehr Geld, um der chronischen Unterfinanzierung unserer Hochschulen ein Ende zu setzen.

In der Politik wird gerne groß geredet. Bei der Umsetzung von Maßnahmen ist man dann aber nicht immer so konsequent. Insbesondere die Anliegen von uns Studierenden fallen dabei immer wieder unter den Tisch. Wir haben deshalb ein bisschen nachgeholfen und geben der Bundesregierung ein paar Vorsätze für das Jahr 2026 mit auf den Weg.

Nachhaltige Finanzierung für die Hochschulen sicherstellen

Im Herbst wird ein neues Hochschulbudget für 2028 bis 2030 verhandelt. Es braucht dringend mehr Geld, denn unsere Hochschulen sind chronisch unterfinanziert. Vor einigen Jahrzehnten bekamen sie noch über 2% des Bruttoinlandsprodukts, heute sind es kaum mehr als 1%. Fakt ist aber: Jeder in die Hochschulen investierte Euro kommt schon nach kurzer Zeit doppelt zurück. Wir fordern die staatliche Ausfinanzierung der Hochschulen und des Wissenschaftsbereiches mit einer Erhöhung des Hochschulbudgets auf 2,5 Prozent des BIP.

Nur so lassen sich die Rekordzahl an Studienanfänger_innen bewältigen und qualitativ hochwertige, autonome Lehre und Forschung absichern. Die Hochschulen müssen von Drittmitteln unabhängig werden, um ihre Freiheit und Vielfalt wahren zu können. Darüber hinaus fordern wir Investitionen in klimaneutrale Hochschulen: Nachhaltigkeit und Klimagerechtigkeit müssen fixer Bestandteil der Hochschulentwicklung sein, von der Energieversorgung über die Lehre bis hin zur Mobilität. Hochschulen haben die Verantwortung, als Vorreiterinnen der Zukunftssicherung aufzutreten. Diese Rolle können sie nur mit adäquater Ausfinanzierung bestreiten.

Studierende in Entscheidungen mit einbinden!

Unser Hochschulsystem lebt von uns Studierenden und unseren Beiträgen. Wir müssen entsprechend in politische Entscheidungsprozesse eingebunden werden. Denn Entscheidungen über Hochschulfinanzierung, Studienbedingungen, soziale Absicherung oder Zugangsregelungen betreffen Studierende unmittelbar und langfristig. Dennoch werden unsere Perspektiven auf bundespolitischer Ebene häufig nur unzureichend berücksichtigt oder erst nachträglich angehört. Das zeigt sich erst kürzlich im Erarbeitungsprozess der Hochschulstrategie 2040, in dem an der Zukunft unseres Hochschulsystems gearbeitet wird, Studierendenvertreter_innen aber massiv unterrepräsentiert sind.

Die Bundesregierung muss Studierende nicht bloß als Betroffene, sondern als Expert_innen ihrer eigenen Lebens- und Studienrealität sehen. Partizipation darf kein formaler Akt bleiben, sondern muss strukturell verankert werden. Nur so können politische Maßnahmen im Sinne aller, nachhaltig und sozial ausgewogen gestaltet werden.

Studierendenwohnheime wieder öffentlich fördern – jetzt!

Bis 2010 wurden Studierendenheime vom Staat gefördert, bevor die Maßnahme ersatzlos aus dem Budget gestrichen wurde. Jetzt will die Regierung die Förderung zurückbringen. Das ist ein lange überfälliger Schritt, denn die Heime brauchen dringend mehr Geld und die Preise müssen runter. 600, 700 oder 800 Euro für ein Zimmer sind in privaten Heimen keine Seltenheit mehr. Gleichzeitig steigt der Anteil des Einkommens, den Studierende fürs Wohnen ausgeben, stetig an und liegt mittlerweile bei rund 43%, in Studierendenheimen sogar bei über 50%.

Bei der Umsetzung lässt sich die Regierung aber gehörig Zeit. Das Vorhaben soll erst 2027 angegangen werden. Gleichzeitig sind weder Details zur Höhe noch zur Ausgestaltung der Förderung bekannt. In Zeiten des Sparkurses ist die Gefahr also groß, dass das Projekt zu einer symbolischen Maßnahme verkommt. Wir fordern: Die Heimförderung muss schon 2026 wiederkommen und echte Entlastung schaffen, damit wieder ausreichend hochwertiger und leistbarer Wohnraum für Studierende zur Verfügung gestellt werden kann! Außerdem muss sichergestellt werden, dass die Maßnahme auch in Form einer Mietpreisreduktion bei den Studierenden ankommt.

Die Klimakrise endlich ernst nehmen!

Während die Hörsäle immer heißer werden, die Zugfahrt kaum noch leistbar ist und Studierende jeden Euro zweimal umdrehen müssen, verschärft die Regierung mit ihren Entscheidungen die Klimakrise weiter. Klimapolitisches Versagen trifft Studierende direkt – wir sind auf leistbaren öffentlichen Verkehr angewiesen, lernen in  überhitzten Gebäuden und müssen mit den langfristigen Folgen leben.

Die Regierung glänzt vor allem durch Negativschlagzeilen: Im Klimaschutz-Index (CCPI) ist Österreich um 12 Plätze hinabgestürzt. Schlagzeilen über den fatalen Klimagesetz Entwurf, den Lobautunnel oder die Teuerungen für die Tickets im öffentlichen Verkehr zeigen das fehlende politische Engagement. Für uns als ÖH ist klar: Wir brauchen endlich ein richtiges Klimaschutzgesetz, das verbindliche Ziele hat und Sanktionen beinhaltet bei Nichteinhaltung, es braucht kostenlosen öffentlichen Verkehr für alle und den Stopp von fossilen Großprojekten in ganz Österreich.

Studienbeihilfe spürbar erhöhen und Zugang erleichtern

Im Regierungsprogramm ist von einer Erleichterung des Zugangs zur Studienbeihilfe die Rede. 2026 können wir uns wohl nicht mehr als eine Inflationsanpassung erwarten. Für uns ist klar, dass das nicht ausreicht. Zwischen dem maximal möglichen Bezug und der Armutsgefährdungsgrenze von etwa 1661 € liegen über 500 €. Denn die Studienbeihilfe ist in ihrer jetzigen Form zu gering, um Studierende effektiv vor Armut zu schützen. Derzeit beziehen nur 12% aller Studierenden die Beihilfe, während 6 von 10 unter der Armutsgrenze leben. Es ist davon auszugehen, dass sich diese Situation im Zuge der weitreichenden Sparmaßnahmen der letzten Monate weiter verschlimmert. Erst zu Beginn des Studienjahres sind die Kosten für öffentlichen Verkehr in Wien für Studierende deutlich angestiegen und auch das Klimaticket ist teurer geworden. Viele Studierende drohen in die Armut abzurutschen oder zum Abbruch gezwungen zu werden, sollte es keine weiteren Abfederungsmaßnahmen geben. 

Wir fordern einen Anhebung des Maximalsatzes an die Armutsgefährdungsgrenze und eine Ausweitung des Bezieher_innenkreises, damit Studierende nicht in Abhängigkeiten von Nebenjobs gedrängt werden und das Studium nicht vom Geldbörserl der Eltern abhängt.

StEOP Neu gestalten und Curricula zukunftsfit machen

Die Studieneingangs- und Orientierungsphase (StEOP) ist veraltet. Statt echte Orientierung zu ermöglichen, schafft sie für Studierende in erster Linie Unsicherheit und Leistungsdruck. Knock-Out-Prüfungen zu Beginn des Studiums schrecken viele Studienanfänger_innen schnell wieder ab. Das trifft insbesondere Studierende aus Arbeiter_innen- und finanziell schwächergestellten Familien, für die der Weg an die Hochschule ohnehin mit zahlreichen Hürden verbunden ist. Es braucht eine StEOP, die diese unterschiedlichen Voraussetzungen anerkennt und berücksichtigt und damit allen einen fairen Start ins Studium ermöglicht. Um echte Orientierung zu bieten muss die StEOP eine Grundlage für informierte Studienentscheidungen schaffen. Nach der Eingangsphase muss jede Studienwahl möglich sein und darf nicht als Studienwechsel zählen! 

Gleichzeitig müssen große gesellschaftliche Krisen und gesellschaftliche Herausforderungen wie die Klimakrise fest in unseren Curricula verankert werden. Denn unsere Hochschulen sind jene Orte, an denen das Wissen zur Klimakrise erst generiert wird. Sie sind die Institutionen, in welchen die Forschungserkenntnisse, die Möglichkeiten und Mittel im Kampf gegen die Klimakrise erarbeitet werden. Diese Forschung muss vorangetrieben werden, ein fester Bestandteil der Lehre sein und auch laut an die Öffentlichkeit kommuniziert werden.

Essentielle Gesundheitsleistungen für Studierende absichern

Gesundheit darf kein Privileg sein. Trotzdem sind viele Gesundheitsleistungen in Österreich weiterhin kostenpflichtig. 2026 läuft beispielsweise die kostenlose HPV-Impfaktion der Bundesregierung für unter-30-Jährige nun vollständig aus, womit viele junge Menschen wieder vor hohe Kosten gestellt werden, wenn sie sich gegen Krebs schützen wollen. Auch Tests auf sexuell übertragbare Krankheiten werden in vielen Fällen nicht von der Krankenkassa übernommen, obwohl die Ansteckungen weltweit steigen. Und auch beim Thema mentale Gesundheit bleiben junge Menschen und damit viele Studierende auf sich selbst gestellt. Von kostenlosen Therapieangeboten sind wir in Österreich weit entfernt.

Die Bundesregierung muss das neue Jahr nutzen, um essenzielle Gesundheitsleistungen wie diese endlich der breiten Bevölkerung zugänglich zu machen! Wir fordern kostenlose Psychotherapie, kostenlose Tests auf sexuell übertragbare Krankheiten und eine Verlängerung der kostenlosen HPV-Impfaktion für unter-30-Jährige.

Was wir an der ÖH 2026 vorhaben

Als ÖH bleiben wir auch 2026 deine laute Stimme, die sich neben dem Kampf für ein besseres Studium auch bedingungslos für ein besseres Leben für alle Studierenden einsetzt. Wir wollen gleichzeitig wichtige Services schaffen, die dich im Studienalltag unterstützen, und progressive Gesellschaftspolitik vorantreiben.

Im Sommersemester wollen wir neue Beratungs- und Informationsangebote zur Studienbeihilfe schaffen, damit möglichst viele Studierende auch einen Antrag stellen. Denn obwohl die Studienbeihilfe immer noch viel zu gering und exklusiv ist, kann sie den Studienalltag wesentlich erleichtern. Wir werden eine transparente Online-Datenplattform veröffentlichen, bei der der aktuelle Stand der Hochschulen am Weg zur Klimaneutralität dargestellt und einsehbar sein wird. Außerdem arbeiten wir an Konzepten für leistbare Mensen und leistbaren Wohnen für Studierende, die im Sommersemester präsentiert werden. Ein weiteres Thema, das uns 2026 beschäftigen wird, ist die Studieneingangs- und Orientierungsphase (StEOP). Denn im Regierungsprogramm ist ihre Überarbeitung festgeschrieben. Wir werden hier ein Konzept vorlegen, um unsere Schwerpunkte in den Erarbeitungsprozess einzubringen.

Darüber hinaus bauen wir unsere Meldestelle für Diskriminierungsfällen aus: „ÖHschauthin“ wird um zahlreiche Diskriminierungsformen erweitert und soll Studierenden künftig eine noch umfangreichere Anlaufstelle bieten. Auch im Bereich Mental Health haben wir einiges vor und wollen die ÖH-Helpline, die Studierenden Rat und Unterstützung bei Krisen oder psychischen Problemen bietet und unkompliziert Therapieplätze vermittelt, weiter ausbauen. Und wir wollen einen Aktionsplan gegen Rechtsextremismus an Hochschulen vorlegen, um dem Erstarken rechter Gruppierungen an den Unis etwas entgegenzusetzen. Auch 2026 werden Studierende und Lehrende im Rahmen von OC4CC dabei unterstützt, die Klimakrise in den Lehrveranstaltungen aufzugreifen. Mit Campus of Change geht die Klima-Ringvorlesung in die nächste Runde – an noch mehr Hochschulen – im Wintersemester folgt die erste queerfeministische Ringvorlesung der ÖH. 

Wir bleiben laut und freuen uns auf alles, was im kommenden Jahr ansteht!

Jetzt teilen:

Weitere Beiträge

Campus of Change 2026

Ringvorlesung – Campus of Change Wie letztes Jahr findet auch dieses Sommersemester wieder die hochschulübergreifende Ringvorlesung zur Klimakrise statt, für

Weiterlesen