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Zukunftsplan für Österreichs Hochschulen 2019-2024

Stellungnahme Zukunftsplan für Österreichs Hochschulen 2019-2024

Acht Punkte wollen wir als Österreichische Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft über alle weltanschaulichen Differenzen hinweg außer Streit stellen. Diese Punkte bilden für uns den Kern eines umfassenden Modernisierungsprogramms der österreichischen Hochschulen. Sie umfassen finanzielle, infrastrukturelle, didaktische, soziale, berufliche und studienrechtliche Aspekte.
Jede neue Regierungskonstellation wird von uns daran gemessen werden, inwiefern sie diese Punkte in ihrem Regierungsprogramm abbildet und in Folge umsetzt. Mit diesem Programm stellen wir im Sinne der Studierenden das Verbindende vor das Trennende und strecken der neuen Regierung die Hand aus, um diesen Reformweg gemeinsam mit uns zu beschreiten.

Die Österreichische Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft hat beschlossen, sich für folgende Punkte gegenüber dem Gesetzgeber einzusetzen:

  1. Ausfinanzierung der Hochschulen
    Im Laufe der nächsten Legislaturperiode soll das Ziel, jährlich 2 Prozent des BIP für den tertiären Sektor bereitzustellen, erreicht werden. Für dieses Vorhaben soll ein klarer Finanzierungspfad im nächsten Regierungsprogramm festgehalten und dessen Einhaltung jährlich evaluiert werden.

  2. Digitalisierung aufholen
    Um die österreichischen Hochschulen für die Zukunft zu rüsten, braucht es die Schaffung eines eigenen Budgettopfs und die Einführung finanzieller Anreize in den nächsten Leistungsvereinbarungen für die Aufrüstung digitaler Infrastruktur an den Hochschulen. Dazu gehört u.a. ein Ausbau des Angebots von Livestreams, der Online-Bereitstellung von Vorträgen sowie von digitalen Lehr-und-Lernformaten, Steckdosen und online verfügbaren Skripten. Die Digitalisierung der Lehre soll es für Studierende einfacher machen, ihr Studium gemäß ihren persönlichen Präferenzen sowie in Abstimmung mit ihren beruflichen und privaten Verantwortungen zu gestalten. Lehrende sollen hierfür regelmäßige Fortbildungen zur Verwendung moderner didaktischer Methoden sowie Digitalisierung besuchen.

  3. Teilzeitstudium und Teilzeitsemester einführen
    Etwa 60 Prozent aller Studierenden in Österreich sind erwerbstätig. Um endlich auf die Lebensrealität der Studierenden einzugehen, braucht es dringend einen Vorstoß hinsichtlich der Schaffung von Rahmenbedingungen für Teilzeitstudien und Teilzeitsemester. Jede/r Studierende soll die Möglichkeit haben, sein/ihr Studium als Teilzeitstudium zu führen bzw. auch zu Beginn eines beliebigen Semesters den Status eines Teilzeitsemesters anzumelden. Dieses System der Entscheidungsfreiheit von Semester zu Semester soll maximale Flexibilität und Vereinbarkeit von Beruf und Studium bieten. Die konkrete Ausgestaltung des Systems (Anmeldeprozess, zu erbringende ECTS etc.) sollen die Hochschulen vor Ort, mit Rücksprache mit den lokalen Studierendenvertretungen, vornehmen.

  4. Aufnahmeverfahren mit Studierendenpartizpation
    Die Entwicklungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass immer mehr Hochschulen Aufnahmeverfahren einführen. Unsere Stimme als Vertretung der Studierenden muss dabei in Bezug auf die Ausgestaltung, Implementierung und mögliche Abschaffung von Aufnahmeverfahren und Zugangsbeschränkungen vertreten sein. Zu diesem Zweck soll in jeder Studienrichtung eine Aufnahmeverfahrenskommission eingerichtet werden, welche zusammen mit dem Rektorat über die Einführung/Abschaffung von Aufnahmeverfahren entscheidet. Um die Stimme der Studierenden in diesem Gremium geltend zu machen, sollen in der Kommission zu 50 Prozent Studierende der Studienrichtung sowie Hochschul- und Studienvertreter_innen vertreten sein.

  5. Soziale Absicherung stärken
    Eine der Hauptprämissen der Hochschulpolitik muss es sein, Chancengerechtigkeit zu schaffen. Zur Erreichung dieses Zieles soll die Studienbeihilfe aufgestockt und künftig automatisch an die Inflationsrate angepasst werden. Außerdem sind die Kriterien für den ÖH-Sozialtopf mit dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung neu zu verhandeln und im Zuge dessen zu lockern. Die Altersgrenze für die Beziehung der Familienbeihilfe soll erhöht werden sowie die Möglichkeit des Unterhaltsvorschusses für Studierende gesetzlich verankert werden. Die Wohnbeihilfe soll bundesweit vereinheitlicht und erhöht werden.

  6. Rechte der FH-Studierenden absichern
    Es braucht eine Novelle des FHStG, wobei das primäre Ziel eine Verbesserung der (studien-) rechtlichen Situation von FH-Studierenden sein soll (d.h. verpflichtende Mindestregelungen in jedem Ausbildungsvertrag, eine Harmonisierung der Aufnahmefristen, Einrichtung bzw. Aufwertung von Beschwerdeausschüssen, Ausweitung der Beteiligung und Einbindung der Studierendenvertretung bei der Akkreditierung neuer Studiengänge etc.).

  7. Durchlässigkeitsplattform schaffen
    Um die Anrechenbarkeit von Prüfungsleistungen in verschiedenen Studiengängen vergleichbar und transparent zu machen, fordern wir die Schaffung einer bundesweiten Online-Datenbank, welche Informationen zu Anrechenbarkeit und Angebot übersichtlich aufbereitet und darstellt. Bei der Ausverhandlung der nächsten Leistungsvereinbarungen sollen Anreize gesetzt werden, damit die Hochschulen die notwendigen Daten zur Befüllung der Datenbank bereitstellen.

  8. PHs aufwerten und Lehramtstudium reformieren
    Pädagogische Hochschulen sollen volle Personal- und Programmautonomie erhalten. Um den Studierenden neben der theoretischen Ausbildung auch genügend Möglichkeit zur Praxis zu bieten und sie somit besser auf ihre Lehrtätigkeit vorzubereiten, soll die berufspraktische Ausbildung mit zusätzlichen Ressourcen ausgestattet werden. Damit Absolvent_innen ein besserer Einstieg in die Lehrtätigkeit ermöglicht wird, soll das Unterrichtspraktikum als Teil der Hochschulausbildung die neueingeführte Induktionsphase wieder ersetzen, da es mehr Unterstützung bietet, keine Anstellung voraussetzt und somit auch meist eine geringere Anzahl an Unterrichtsstunden bedeutet.

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