Direkt zum Inhalt

Ausschreibung für die Lehrgangsleitung des Tutoriumstrainer_innenlehrgangs 2021/22 der ÖH-Bundesvertretung

Bild mit Text: Get Active. Wir suchen dich!

Download als pdf-Dokument

Ausschreibung für die Lehrgangsleitung des Tutoriumstrainer_innenlehrgangs 2021/22 der ÖH-Bundesvertretung.

Grundsätze und Ziele:

Grundsätzliche Aufgabe der Tutorien ist die Einführung in verschiedene Fragestellungen und Diskurse hinsichtlich aktueller studienspezifischer und gesellschaftlicher sowie anderer relevanter Problembereichen. Tutorien werden von einer dazu ausgebildeten Gruppe Studierender (Tutor_innen) durchgeführt, um gemeinsam mit den Tutand_innen in Kleingruppen die verschiedenen Fragestellungen und Diskurse aufzugreifen sowie Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten.

Anfänger_innentutorien haben die vorrangige Aufgabe, beim Studieneinstieg zu helfen. Unter Studieneinstieg ist der Studienbeginn, Studienort oder Studienwechsel gemeint, was Höhersemestrige nicht ausschließt. Anfänger_innentutorien sollen die Möglichkeit bieten, sich gegenseitig kennenzulernen, und damit der Einsamkeit und Anonymität unter den Studierenden entgegenzuwirken. Sie sollen einerseits dem Erfahrungsaustausch im Studienalltag und andererseits dem Hinterfragen der Universitäts- und ÖH-Strukturen sowie der eigenen Rolle dienen.

Thementutorien bieten die Möglichkeit einer intensiven Auseinandersetzung mit verschiedenen Themen und dienen auch der Vernetzung von Menschen aus unterschiedlichen Kontexten. Sämtliche Thementutorien stehen prinzipiell allen Interessierten offen, es sei denn es gibt eine explizite Einladungspolitik.

Beschreibung des Tutoriumstrainer_innenlehrgangs (TTL):

Die Ausbildung soll die Teilnehmer_innen dazu befähigen, zukünftige Tutor_innen im Rahmen der Ausbildungsseminare für angehende Anfänger_innen-Tutor_innen auszubilden, wie es die Vereinbarung zwischen dem Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung (BMBWF) und der Österreichischen Hochschüler_innenschaft (ÖH) vorsieht.

Die Ausbildung orientiert sich an der Trainingspraxis der Tutorien. Dies beinhaltet die Fähigkeit spontan auf die Bedürfnisse der Gruppe einzugehen, die Reflexion der eigenen Rolle als Trainer_in, themenzentrierte Interaktion sowie gruppendynamische Kompetenzen.

Ein Co-Training im Rahmen eines Tutoriums-Ausbildungsseminars ist Teil der Ausbildung, was bei der Planung der Module entsprechend zu berücksichtigen ist. Der Status von an Hochschulen und gesellschaftlich marginalisierten Gruppen sowie die Kategorie Geschlecht sollen dabei besonders berücksichtigt werden, sowohl in Hinsicht auf die Rolle der Trainer_innen als auch auf die Ausbildung von angehenden Tutor_innen.

Die Ausbildung soll im Frühjahr 2022 beginnen, wird sich über die Dauer von 10 - 14 Monate erstrecken und muss ein Ausmaß von mindestens 180 Stunden (à 60 Minuten) umfassen. Die Bewerbung zur Lehrgangsleitung soll ein Konzept zur Lehrgangsplanung beinhalten, in dem die organisatorische und inhaltliche Aufteilung dieser Einheiten in Modulen dargelegt wird.

Anforderungen:

Gesucht werden mindestens zwei Lehrgangsleiter_innen. Mindestens eine Person der Bewerber_innen muss eine Trainer_innenausbildung im Ausmaß von 180h (à 60 Minuten) absolviert haben. Das Lehrgangskonzept muss alle Formen von Seminaren des Tutoriumsprojekts (d.h. sowohl Ausbildungsseminare für Erstsemestrigen-Tutor_innen als auch Thementutorien) miteinbeziehen.

Schwerpunkt des TTLs 2021/22 soll inhaltlich wie methodisch hauptsächlich auf Erstsemestrigen-Tutorien abgestimmt sein, wobei hier ein Fokus auf eine antisexistische und antirassistische Arbeitsweise gelegt werden muss. Des Weiteren soll der Lehrgang auch die oben genannten Grundsätze und Zielsetzungen sowie arbeitsrechtliche Grundlagen vermitteln. Das in der Bewerbung geforderte didaktische Konzept soll darstellen, warum die gewählten Zugänge und Methoden genau für diese Ausbildung als sinnvoll erachtete werden, wobei darauf geachtet werden muss, dass sie entsprechend an die individuellen Bedürfnisse der auszubildenden Personen angepasst werden müssen und dürfen nicht zu Zwangsoutings von Beeinträchtigungen und/oder Erkrankungen führen.

Die Module sollen in überwiegender Zahl von Trainer_innen, die nicht Teil der Lehrgangsleitung sind, abgehalten werden. Die Kriterien der Auswahl der einzelnen Trainer_innen sind transparent darzulegen. Mindestens 50 Prozent der ausbildenden Trainer_innen müssen FLINTA*-Personen (mit FLINTA*-Personen meinen wir alle, die sich als Frauen, Lesben, Inter und/oder Trans, sowie Nonbinary, Genderfluid, Agender, u.v.m. verstehen.) sein.

Die Anstellung der Lehrgangsleitung erfolgt über einen freien Dienstvertrag oder – falls gewünscht – über einen Werkvertrag bei der ÖH-Bundesvertretung. Die Höhe der Vergütung soll in Summe zwischen brutto € 4.000,- und € 18.000,- betragen, je nach Umfang der Eigenleistungen beider Lehrgangsleiter_innen. Es bleibt den Bewerber_innen für die Lehrgangsleitung jedoch selbst überlassen, welche Höhe der Vergütung sie für ihre Leistung in ihrem Finanzkonzept auflisten. Das gesamte Budget des TTLs - inklusive der Vergütung für die Lehrgangsleitung - beträgt brutto
€ 105.000,-.

Aufgaben der Lehrgangsleitung:

Die Lehrgangsleitung übernimmt die Organisation und inhaltliche Ausgestaltung des TTLs (Festlegung der Module mit deren Inhalten und Auswahl der Trainer_innen für die Module), inklusive aller Rahmenbedingungen (Terminfindung, Unterbringung, Verpflegung etc.). Die finale inhaltliche Ausgestaltung des Lehrgangs ist in Rücksprache mit dem Ausschuss für Tutorien der ÖH (im Folgenden Ausschuss genannt) zu beschließen.

Die Lehrgangsleitung legt dem Ausschuss einen Bericht über die Auswahl der Teilnehmer_innen vor. Dieser soll die Auswahlkriterien, wie auch die Anzahl und die Namen der angenommenen Bewerber_innen sowie die Anzahl und die Namen der abgelehnten Bewerber_innen enthalten.

Die Lehrgangsleitung steht außerdem als kontinuierliche Ansprechpartner_in für die Teilnehmer_innen zur Verfügung und gibt regelmäßig Informationen über den aktuellen Stand des Lehrgangs an den Ausschuss weiter. Hierzu soll es nach der Auswahl der Lehrgangsleitung ein Treffen mit mind. einer Person aus dem Vorsitzteam der ÖH, einer Person aus dem Wirtschaftsreferat, der_dem Vorsitzenden und stv. Vorsitzenden des Ausschusses geben, um die Zusammenarbeit und Kommunikation mit dem Projekt über die Zeit des Lehrgangs zu besprechen.

Die Lehrgangsleitung organisiert in Absprache mit dem Ausschuss drei Informationstage vor Beginn des Lehrgangs, um die ausgewählten Teilnehmer_innen über die wichtigsten organisatorischen und inhaltlichen Aspekte des Lehrgangs aufzuklären, wie z.B. Aufbau des Lehrgangs, Termine, thematische Blöcke, Treffpunkte, etc. und um eventuelle Rückfragen von Seiten der Teilnehmenden zu klären. Die Teilnahme an einem dieser Informationstage ist für die Teilnehmer_innen eine verpflichtende Voraussetzung, um mit dem TTL beginnen zu können. Dementsprechend sind diese Informationstage an drei verschiedenen Terminen in jeweils unterschiedlichen Regionen Österreichs anzubieten, wovon mindestens ein Treffen außerhalb der vorlesungsfreien Zeit stattfinden muss.

Für Teilnehmer_innen mit Betreuungspflichten muss am Lehrgang die Möglichkeit für Betreuung (z.B. Kinderbetreuung) bestehen. Die Lehrgangsleitung soll in Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsreferat für finanzielle und organisatorische Unterstützung sorgen.

Förderungsmaßnahmen zugunsten benachteiligter Gruppen:

Die Österreichische Hochschüler_innenschaft möchte einen Beitrag zur Gleichstellung von FLINTA*-Personen in der Arbeitswelt mittels positiver Maßnahmen leisten. Die ÖH ermutigt daher besonders Personen, sich zu bewerben, die sich durch diskriminierende gesellschaftliche Strukturen in benachteiligten Positionen wiederfinden. Mindestens 50 Prozent der Lehrgangsleiter_innen müssen FLINTA*-Personen sein. Bei gleicher Qualifikation von Bewerber_innen werden daher FLINTA*-Personen bevorzugt eingestellt.

Selbstbehalt:

Es ist angestrebt, dass der Selbstbehalt der Teilnehmer_innen so gering wie möglich gehalten wird. Maximal sollen pro Teilnehmer_in € 400,- Selbstbehalt eingehoben werden. Dies ist im Finanzierungskonzept zu berücksichtigen, ebenso wie die Möglichkeit, dass Teilnehmer_innen den Selbstbehalt aus ökonomischen Gründen gegebenenfalls nicht zahlen können, so soll diesen die Teilnahme dennoch ermöglicht werden. Hierfür wird ein „Fördertopf“ mit ca. 20 Prozent des Selbstbehalts zurückgestellt. Falls diese Rückstellung nicht zur Gänze benötigt wird, muss deren Überhang aliquot vom Selbstbehalt jede_r Teilnehmer_in abgezogen werden und kommt somit allen zu Gute.

Politischer Anspruch:

Die ÖH versteht die Universität nicht als eine von der Gesellschaft abgehobene Institution, sondern als eng mit ihr verbundene. In dieser erfüllt sie eine bestimmte Funktion, die sich in ihren Strukturen, Wertungen, Lehrinhalten etc. niederschlägt.

Unser Anliegen ist es daher, bestehende Interessenskonflikte und Machtverhältnisse aufzuzeigen, sowie die Funktionalität der Universität bewusst zu machen. Folglich ist es nicht unser vorrangiger Anspruch, das Studium in der bestehenden Form erträglicher zu machen. Vielmehr wollen wir im Tutorium die Wahrnehmungsfähigkeit für unsere gesellschaftliche Rolle schärfen und aus der kritischen Auseinandersetzung mit der persönlichen Situation überleiten zu einem emanzipatorischen gesellschaftspolitischen Denken und Handeln.

Wir engagieren uns gegen faschistisches, sexistisches und rassistisches Gedankengut, sowie gegen jede Form der Diskriminierung gesellschaftlich benachteiligter Gruppen. Das Tutorium soll den Rahmen dafür bieten, sich Selbständigkeit, Selbstorganisation und einen reflektierten Umgang mit Emotionen zu erarbeiten. Wir wollen Konflikt- und Beziehungsfähigkeit als Alternative zum derzeitigen Universitätsalltag (patriarchale Strukturen, Wissenschaft als HERRschaftsinstrument, Konkurrenz, Ellenbogenmentalität und vorrangige Ausrichtung auf wirtschaftliche Verwertbarkeit) entwickeln.

Information:

Studien- und Universitätsinformationen dienen als Orientierungshilfe und als notwendige Voraussetzung für die kritische Auseinandersetzung mit der Universität. Keinesfalls dürfen diese Informationen dazu führen, bestehende Missstände auf der Universität als unveränderbar hinzunehmen. Die Tutor_innen sollen sich ihres Wissens- und Erfahrungsvorsprungs und ihrer Autorität als höhersemestrige Student_innen bewusst werden, um verantwortungsvoll damit umzugehen.

Inhalte, die in der Projektgruppe erarbeitet werden sollten: Mitbestimmung/Gestaltung im Studienbetrieb (Gremienarbeit, ÖH, Fraktionen, ...), Organisation und Ziele ihrer einzelnen Tutorien, Studienplan, Studienordnung, Lehrveranstaltungen, Prüfungen, Individuelles Diplomstudium, Forschungsansätze und Soziales (Stipendien, Heime, Mensen, ...) umfassen. Wesentlich ist, dass die Tutor_innen wissen, wo die notwendigen Informationen zu finden sind.

Studienmotivation:

Im Tutorium sollen Wünsche und Erwartungen an das gewählte Studium klar werden. Im Zusammenhang mit der Studienentscheidung geht es darum, die eigene Lebensgeschichte (soziale und regionale Herkunft, Geschlecht, Vorerfahrungen, ...), den persönlichen Stellenwert des Studiums (Interesse, Studienkultur, Engagement, ...) und den eigenen Lebensentwurf (Berufsbild, Lebensstil, ...) zu reflektieren.

Leben auf der Universität:

Studienanfänger_innen sind mit einer neuen Lebenssituation konfrontiert. Das Tutorium bietet die Möglichkeit, die Isolation zu Studienbeginn aufzuheben, sich gemeinsam mit Studium und Universität vertraut zu machen und der Verunsicherung zu begegnen, der die Studienanfänger_innen ausgesetzt sind. Ein kritischer Zugang zum Studium soll angeregt und den Tutand_innen mit auf den Weg gegeben werden.

Abgeleitet aus dem politischen Anspruch (siehe oben) verstehen wir Auseinandersetzung mit dem Wissenschaftsbetrieb unter anderem als Wahrnehmen unterschiedlicher Interessen, Handlungsmöglichkeiten und Abhängigkeiten der am Universitätsleben Beteiligten (Wissenschaftsministerium, Professor_innen, Assistent_innen, Hochschulbürokratie, ÖH, Fraktionen, Basisgruppen, ...).

Wir erkennen, in welcher Weise Wissenschaftsvermittlung und -produktion an den Hochschulen und Universitäten individuelle und gesellschaftliche Bedürfnisse und Anforderungen des täglichen Lebens berücksichtigt (vertiefende Auseinandersetzung versus prüfungsorientierter Reproduktion, Freiräume versus Verschulungstendenzen).

Diskussion von Studieninhalten und von Möglichkeiten der individuellen Studiengestaltung müssen thematisiert werden, genauso wie Reflexion des eigenen Studienverhaltens, gemeinsame Verarbeitung von Studienerfahrung im Universitätsalltag, Auseinandersetzung mit Methoden wissenschaftlichen Arbeitens und Hinterfragen der Funktion der Universität hinsichtlich ihrer politischen und ökonomischen Abhängigkeiten.

Soziale Identität(en) von Studierenden:

Über ihre vordergründige Gemeinsamkeit hinaus verfügen Studierende über eine Vielzahl sozialer Identitäten: sie fühlen sich unterschiedlichen Gender zugehörig, unterschiedlicher sexueller Orientierung, sind in Österreich geboren oder zugezogen, behindert oder nicht, sowie auf viele andere Arten und Weisen divers. Auch werden immer mehr Studierende bereits während ihrer Studienzeiten berufstätig und stehen somit finanziellen Herausforderungen gegenüber.

Als Student_in sieht man sich mit spezifischen Problemen konfrontiert. Die unterschiedlichen Erwartungen, die an sie herangetragen werden, sollen in den verschiedenen Tutorien dazu dienen, unhinterfragte Einstellungen und Vorurteile zu überdenken, die den Studierenden im Alltag begegnen, und denen man sich nicht immer bewusst ist.

Der Fokus weitet sich damit auf das gesellschaftliche Umfeld aus, in das die Universität und ihre Akteur_innen eingebunden sind.

Konzepteinreichung:

Die Bewerbung hat neben den Lebensläufen aller Bewerber_innen und einem Motivationsschreiben ein ausgearbeitetes Konzept mit folgenden Elementen zu beinhalten:

  • Nachweis der Trainer_innen-Ausbildung im Ausmaß von 180 h (à 60 Minuten) von mindestens einer Lehrgangsleiter_in
  • Nachweis der Qualifizierung der einzelnen Trainer_innen, welche die inhaltlichen Module abhalten sollen
  • Finanzierungsplan (unter Berücksichtigung der Informationstage und eventuellen Betreuungskosten)
  • Ziele und Ablauf der Ausbildung für 20-30 Teilnehmer_innen
  • Didaktisches Konzept

Nützliche Hinweise:

Bewerbungen müssen bis zum 29. November 2021 eingelangt sein. Entweder

als PDF per Email an: ttl21@oeh.ac.at und sekretariat@oeh.ac.at

oder postalisch an:

Österreichische Hochschüler_innenschaft / TTL 21
Taubstummengasse 7-9
1040 Wien

Diesen Inhalt teilen