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Ausschreibung für die Lehrgangsleitung des Tutoriumstrainer_innenlehrgangs 2017/18

Ausschreibung für die Lehrgangsleitung des Tutoriumstrainer_innenlehrgangs 2017/18 (im Folgenden TTL 17/18 genannt) der ÖH-Bundesvertretung.

Die rechtliche Grundlage für Anfängerinnen- und Anfängertutorien ist der § 60 Abs. 1c UG 2002, welcher lautet:

Zur studienbegleitenden Beratung sind Anfängerinnen- und Anfängertutorien einzurichten, welche die Studierenden bei der Bewältigung der leistungsmäßigen, organisatorischen und sozialen Anforderungen des ersten Studienjahres unterstützen sollen und von den Studierenden besucht werden können. Es ist zulässig, diese Anfängerinnen- und Anfängertutorien auch im Zusammenwirken mit anderen Rechtsträgern, insbesondere mit der Österreichischen Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft zu veranstalten.

Grundsätze und Ziele:

Grundsätzliche Aufgabe der Tutorien ist die Einführung in verschiedene Fragestellungen und Diskurse hinsichtlich aktueller studienspezifischer und gesellschaftlicher Problembereiche. Tutorien werden von einer dazu ausgebildeten Gruppe Studierender (Tutor_innen) durchgeführt, um gemeinsam mit den Tutand_innen in Kleingruppen die verschiedenen Fragestellungen und Diskurse aufzugreifen, um Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten.

Anfänger_innentutorien haben die vorrangige Aufgabe, beim Studieneinstieg zu helfen. Unter Studieneinstieg ist der Studienbeginn, Studienort oder Studienwechsel gemeint, was Höhersemestrige nicht ausschließt. Anfänger_innentutorien sollen die Möglichkeit bieten, sich gegenseitig kennenzulernen, und damit der Einsamkeit und Anonymität unter den Studierenden entgegenzuwirken. Sie sollen einerseits dem Erfahrungsaustausch im Studienalltag und andererseits zum Hinterfragen der Universitäts- und ÖH-Strukturen und der eigenen Rolle dienen.
Thementutorien bieten die Möglichkeit einer intensiven Auseinandersetzung mit verschiedenen Themen und dienen auch der Vernetzung von Menschen aus unterschiedlichen Kontexten. Sämtliche Thementutorien stehen prinzipiell allen Interessierten offen, es sei denn es gibt eine explizite Einladungspolitik.

Politischer Anspruch

Die ÖH versteht die Universität nicht als eine von der Gesellschaft abgehobene Institution, sondern als eng mit ihr verbunden. In dieser erfüllt sie eine bestimmte Funktion, die sich in ihren Strukturen, Wertungen, Lehrinhalten etc. niederschlägt. Dies äußert sich unter anderem darin, dass der Stellenwert des Studiums am Grad der wirtschaftlichen Verwertbarkeit gemessen wird.
Unser Anliegen ist es daher, bestehende Interessenskonflikte und Machtverhältnisse aufzuzeigen, sowie die Funktionalität der Uni bewusst zu machen.

Folglich ist es nicht nur unserAnspruch, das Studium in der bestehenden Form erträglicher zu machen. Vielmehr wollen wir im Tutorium die Wahrnehmungsfähigkeit für unsere gesellschaftliche Rolle schärfen und aus der kritischen Auseinandersetzung mit der persönlichen Situation überleiten zu einem emanzipatorischen gesellschaftspolitischen Denken und Handeln.
Wir engagieren uns gegen faschistisches, sexistisches und rassistisches Gedankengut, sowie gegen jede Form der Diskriminierung gesellschaftlich benachteiligter Gruppen. Das Tutorium soll den Rahmen dafür bieten, sich Selbständigkeit, Selbstorganisation und einen reflektierten Umgang mit Emotionen zu erarbeiten. Wir wollen Konflikt- und Beziehungsfähigkeit als Alternative zum derzeitigen Unialltag (patriarchale Strukturen, Wissenschaft als HERRschaftsinstrument, Konkurrenz, Ellenbogenmentalität und vorrangige Ausrichtung auf wirtschaftliche Verwertbarkeit) entwickeln.

Information

Studien- und Uniinformationen dienen als Orientierungshilfe und als notwendige Voraussetzung für die kritische Auseinandersetzung mit der Universität. Keinesfalls dürfen diese Informationen dazu führen, bestehende Missstände auf der Uni als unveränderbar hinzunehmen. Die Tutor_innen sollen sich ihres Wissens- und Erfahrungsvorsprungs und ihrer Autorität als höhersemestrige Student_innen bewußt werden, um verantwortungsvoll damit umzugehen.
Inhalte, die in der Projektgruppe erarbeitet werden sollten: Mitbestimmung/Gestaltung im Studienbetrieb (Gremienarbeit, ÖH, Fraktionen, ...) Organisation und Ziele Ihrer einzelnen Tutorien, Studienplan, Studienordnung, Lehrveranstaltungen, Prüfungen, Individuelles Diplomstudium, Forschungsansätze und Soziales (Stipendien, Heime, Mensen, ...).
Wesentlich ist, dass die Tutor_innen wissen, wo die notwendigen Informationen zu finden sind.

Studienmotivation

Im Tutorium sollen Wünsche und Erwartungen an das gewählte Studium klar werden. Im Zusammenhang mit der Studienentscheidung geht es darum, die eigene Lebensgeschichte (soziale und regionale Herkunft, Geschlecht, Vorerfahrungen, ...), den persönlichen Stellenwert des Studiums (Interesse, Studienkultur, Engagement, ...) und den eigenen Lebensentwurf (Berufsbild, Lebensstil, ...) zu reflektieren.

Leben auf der Uni

Studienanfänger_innen sind mit einer neuen Lebenssituation konfrontiert. Das Tutorium bietet die Möglichkeit, die Isolation zu Studienbeginn aufzuheben, sich gemeinsam mit Studium und Universität vertraut zu machen und der Verunsicherung zu begegnen, der die Studienanfänger_innen ausgesetzt sind. Ein kritischer Zugang zum Studium soll angeregt und den Tutand_innen mit auf den Weg gegeben werden.

Abgeleitet aus dem politischen Anspruch (siehe oben) verstehen wir Auseinandersetzung mit dem Wissenschaftsbetrieb unter anderem als Wahrnehmen unterschiedlicher Interessen, Handlungsmöglichkeiten und Abhängigkeiten der am Unileben Beteiligten (Wissenschaftsministerium, Professor_innen, Assistent_innen, Hochschulbürokratie, ÖH, Fraktionen, Basisgruppen, ...)
Erkennen, in welcher Weise Wissenschaftsermittlung und -produktion an den Hochschulen und Universitäten individuelle und gesellschaftliche Bedürfnisse und Anforderungen des täglichen Lebens berücksichtigt (vertiefende Auseinandersetzung versus prüfungsorientierter Reproduktion, Freiräume versus Verschulungstendenzen).
Diskussion von Studieninhalten und von Möglichkeiten der individuellen Studiengestaltung. Reflexion des eigenen Studienverhaltens, gemeinsame Verarbeitung von Studienerfahrung im Unialltag. Auseinandersetzung mit Methoden wissenschaftlichen Arbeitens und Hinterfragen der Funktion der Uni in ihrer politischen und ökonomischen Abhängigkeiten.

Soziale Identität(en) von Studierenden

Über ihre vordergründige Gemeinsamkeit hinaus verfügen Studierende über eine Vielzahl sozialer Identitäten: sie sind weiblich, männlich, homo-, hetero- oder bisexuell, Einheimische oder Ausländer_innen, behindert oder nicht behindert; immer mehr werden bereits zu Studienzeiten berufstätig.
Als Student_in sieht man/frau sich mit spezifischen Problemen konfrontiert. Die unterschiedlichen Erwartungen, die an uns herangetragen werden, sollen in den verschiedenen Tutorien dazu dienen, unhinterfragte Einstellungen und Vorurteile zu überdenken, die uns im Alltag begegnen und derer wir uns nicht immer bewusst sind.
Der Fokus weitet sich damit auf das gesellschaftliche Umfeld aus, in das die Universität und ihre Akteur_innen eingebunden sind.

Beschreibung des Tutoriumstrainer_innenlehrgangs (TTL):

Die Ausbildung soll die Teilnehmer_innen dazu befähigen, zukünftige Tutor_innen im Rahmen der Tutoriumsseminare auszubilden.
Die Ausbildung orientiert sich an der Trainingspraxis der Tutorien. Dies beinhaltet die Fähigkeit, spontan auf die Bedürfnisse der Gruppe einzugehen, die Reflexion der eigenen Rolle als Trainer_in, themenzentrierte Interaktion sowie gruppendynamische Kompetenzen.
Ein Co-Training im Rahmen eines Tutoriumsausbildungsseminars ist Teil der Ausbildung, was bei der Planung der Module entsprechend zu berücksichtigen ist.
Der Status von an Hochschulen und gesellschaftlich marginalisierten Gruppen sowie die Kategorie Geschlecht sollen dabei besonders berücksichtigt werden, sowohl in Hinsicht auf die Rolle der Trainer_innen als auch auf die Ausbildung von Tutor_innen.
Die Ausbildung wird Ende 2017 beziehungsweise Anfang 2018 beginnen, wird sich über die Dauer von 10 – 14 Monaten erstrecken und muss ein Ausmaß von mindestens 180 Stunden (à 60 Minuten) umfassen. Die Bewerbung zur Lehrgangsleitung soll ein Konzept zur Lehrgangsplanung beinhalten, in dem die organisatorische und inhaltliche Aufteilung dieser Einheiten in Modulen dargelegt wird.

Anforderungen:

Gesucht werden mindestens zwei Lehrgangsleiter_innen. Mindestens eine Person der Bewerber_innen muss eine Trainer_innenausbildung im Ausmaß von 180h (à 60 Minuten) absolviert haben. Das Lehrgangskonzept muss alle Formen von Seminaren des Tutoriumsprojekts (d.h. sowohl Ausbildungsseminare für Erstsemestrigen-Tutor_innen als auch Thementutorien) miteinbeziehen.
Schwerpunkt des TTL 17/18 soll inhaltlich wie methodisch hauptsächlich auf Erstemestrigen-Tutorien abgestimmt sein, wobei hier ein Schwerpunkt auf eine antisexistische und antirassistische Arbeitsweise gelegt werden muss. Des Weiteren soll der Lehrgang auch die oben genannten Grundsätze und Zielsetzungen und arbeitsrechtliche Grundlagen vermitteln.
Das in der Bewerbung geforderte didaktische Konzept soll darstellen, warum die gewählten Zugänge und Methoden genau für diese Ausbildung als sinnvoll erachtete werden, wobei darauf geachtet werden muss, dass sie entsprechend an die individuellen Bedürfnisse der auszubildenden Personen angepasst werden müssen und dürfen nicht zu Zwangsoutings von Beeinträchtigungen und/oder Erkrankungen führen.
Die Module sollen in überwiegender Zahl von Trainer_innen, die nicht Teil der Lehrgangsleitung sind, abgehalten werden. Die Kriterien der Auswahl der einzelnen Trainer_innen sind transparent darzulegen. Mindestens 50 Prozent der ausbildenden Trainer_innen müssen FLIT-Personen sein.
Die Anstellung der Lehrgangsleitung erfolgt über einen freien Dienstnehmer_innenvertrag und bleibt bis zum Ende des TTLs bestehen. Die Höhe der Vergütung für die Aufgaben der Lehrgangsleitung darf maximal € 15.000 betragenTrainer_innentätigkeiten werden gesondert gemäß Gebarungsordnung abgerechnet. Das gesamte Budget des TTLs - inklusive der Vergütung für die Lehrgangsleitung - beträgt € 105.000.

Förderungsmaßnahmen zugunsten benachteiligter Gruppen:

Die Österreichische Hochschüler_innenschaft möchte einen Beitrag zur Gleichstellung von FLIT-Personen in der Arbeitswelt mittels positiver Maßnahmen leisten.
Die ÖH ermutigt daher besonders Personen, sich zu bewerben, die sich durch diskriminierende gesellschaftliche Strukturen in benachteiligten Positionen wiederfinden. Mindestens 50 Prozent der Lehrgangsleiter_innen müssen FLIT-Personen sein. Bei gleicher Qualifikation von Bewerber_innen werden daher FLIT-Personen bevorzugt eingestellt.

Selbstbehalt:

Es ist angestrebt, dass der Selbstbehalt der Teilnehmer_innen so gering wie möglich gehalten wird. Maximal sollen pro Teilnehmer_in € 400 Selbstbehalt eingehoben werden. Dies ist im Finanzierungskonzept zu berücksichtigen, ebenso wie die Möglichkeit, dass Teilnehmer_innen den Selbstbehalt aus ökonomischen Gründen gegebenenfalls nicht zahlen können. Circa 20 Prozent des Selbstbehalts sollen für diesen Zweck zurückgestellt werden. Falls diese Rückstellung nicht zur Gänze benötigt wird, wird deren Überhang aliquot vom Selbstbehalt jede_r Teilnehmer_in abezogen.

Aufgaben der Lehrgangsleitung:

Die Lehrgangsleitung übernimmt die Organisation und inhaltliche Ausgestaltung des TTLs (Festlegung der Module mit deren Inhalten und Auswahl der Trainer_innen für die Module), inklusive aller Rahmenbedingungen (Terminfindung, Unterbringung, Verpflegung etc.). Die finale inhaltliche Ausgestaltung des Lehrgangs ist in Rücksprache mit dem Ausschuss für Tutorien der ÖH (im Folgenden Ausschuss genannt) zu beschließen.
Die Lehrgangsleitung legt dem Ausschuss einen Bericht über die Auswahl der Teilnehmer_innen vor. Dieser soll die Auswahlkriterien, wie auch die Anzahl und die Namen der angenommen Bewerber_innen und die Anzahl und die Namen der abgelehnten Bewerber_innen enthalten.
Die Lehrgangsleitung steht außerdem als kontinuierliche Ansprechpartner_in für die Teilnehmer_innen zur Verfügung und gibt regelmäßig Informationen über den aktuellen Stand des Lehrgangs an den Ausschuss. Hierzu soll es nach der Auswahl der Lehrgangsleitung ein Treffen mit einer Person aus dem Vorsitzteam der ÖH, einer Person aus dem Wirtschaftsreferat, der_dem Vorsitzenden und stv. Vorsitzenden des Ausschusses geben, um die Zusammenarbeit und Kommunikation mit dem Projekt über die Zeit des Lehrgangs zu besprechen.
Die Lehrgangsleitung organisiert in Absprache mit dem Ausschuss drei Informationstage vor Beginn des Lehrgangs, um die ausgewählten Teilnehmer_innen über die wichtigsten organisatorischen und inhaltlichen Aspekte des Lehrgangs aufzuklären, wie z.B. Aufbau des Lehrgangs, Termine, thematische Blöcke, Treffpunkte, etc. und um eventuelle Rückfragen von Seiten der Teilnehmenden zu klären. Die Teilnahme an einem dieser Informationstage ist für die Teilnehmer_innen eine verpflichtende Voraussetzung, um mit dem TTL beginnen zu können. Dementsprechend sind diese Informationstage an drei verschiedenen Daten in jeweils unterschiedlichen Regionen anzubieten, wovon mindestens ein Treffen außerhalb der vorlesungsfreien Zeit stattfinden muss.
Für Teilnehmer_innen mit Betreuungspflichten muss am Lehrgang die Möglichkeit für Betreuung (z.B. Kinderbetreuung) bestehen. Die Lehrgangsleitung soll in Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsreferat für finanzielle und organisatorische Unterstützung sorgen.

Konzepteinreichung:

Die Bewerbung hat neben den Lebensläufen aller Bewerber_innen und einem Motivationsschreiben ein ausgearbeitetes Konzept mit folgenden Elementen zu beinhalten:
• Nachweis der Trainer_innen-Ausbildung im Ausmaß von 180 h (à 60 Minuten) von mindestens einer Lehrgangsleiter_in
• Nachweis der Qualifizierung der einzelnen Trainer_innen, welche die inhaltlichen Module abhalten sollen
• Finanzierungsplan (unter Berücksichtigung der Informationstage, eventuellen Betreuungskosten und Einhaltung der Gebarungsordnung)
• Ziele und Ablauf der Ausbildung für 20-30 Teilnehmer_innen
• Didaktisches Konzept

Nützliche Hinweise:

• Link zu den Richtlinien für Ausschüsse:
• https://etut.oeh.ac.at/richtlinie/
• Link zur Gebarungsordnung der ÖH Bundesvertretung:
• https://etut.oeh.ac.at/formulare/ Es ist möglich über die ÖH BV oder auch alle HVen Räume der Unis unentgeltlich zu mieten
• Es gibt eine Vereinbarung zwischen der BV und den JUFAs um dort vergünstigt zu übernachten.

Bewerbungen müssen bis zum 01.12.2017 eingelangt sein.

Entweder per Email an: ttl17@oeh.ac.at

Oder postalisch an:

Österreichische Hochschüler_innenschaft
TTL 17/18
Taubstummengasse 7-9
1040 Wien

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