Die Idee des Projekts

Vorstellung:

Bei dem von Bundesminister Töchterle angekündigten Hochschulplan des Wissenschaftsministeriums wurde keine Sekunde an den Einbezug von den Studierenden und Lehrenden gedacht; Pläne wie es mit der Hochschulpolitik in Österreich weitergehen soll werden hingegen im stillen Kämmerlein ausgearbeitet, während die Expertise der wirklich Betroffenen dabei nicht genutzt wird. Stattdessen werden wieder Zugangsbeschränkungen und Studiengebühren gefordert, die sich bereits oft genug als sozial selektiv erwiesen haben. Eine derart einseitige Behandlung der Hochschulpolitik ist für die ÖH nicht akzeptabel.
Mit dem „Forum Hochschule“ wollen wir daher einen lösungsorientierten Hochschulplan entwickeln, der gemeinsam von allen betroffenen Gruppen zusammengestellt und breit diskutiert werden soll und eine Alternative zu den Vorschlägen des Wissenschaftsministeriums bietet. In fünf Arbeitsgruppen sollen Themenbereiche wie Hochschulfinanzierung, soziale Absicherung von Studierenden, Qualität der Lehre, Wissenschaft und Forschung sowie Hochschulorganisation und Governance separat erarbeitet werden.
Im Rahmen des Kick-Off Events am 19. Oktober 2011 wollen wir euch das „Forum Hochschule“ sowie die einzelnen Arbeitsgruppen näher vorstellen und den Erarbeitungsprozess unseres alternativen Hochschulplans mit einer Podiumsdiskussion zum Thema „Wert der Bildung – zwischen Humboldt und Ökonomisierung“ starten. Da uns die Hochschulpolitik und deren Veränderung alle betrifft, würden wir uns über eure Unterstützung und Anwesenheit sehr freuen!
18.00 Uhr Begrüßung und Problemaufriss
18.15 Uhr Vorstellung des Projektes „Forum Hochschule“
18.30 Uhr Vorstellung der Arbeitsgruppen Hochschulfinanzierung, Absicherung von       Studierenden, Qualität der Lehre, Wissenschaft und Forschung sowie Hochschulorganisation und Governance
19:15 Uhr Pause
19:30 Uhr Podiumsdiskussion zum Thema „Wieviel ist uns Bildung wirklich wert? Welchen Wert hat Bildung für uns?“ mit Margit Schratzenstaller (WIFO), Hans Pechar (Universität Klagenfurt), Brigitte Jank (Präsidentin der WKW, angefragt) und Angelika Gruber (ÖH Bundesvertretung)
Moderation: Christoph Schwarz (Die Presse)
21:00 Uhr Buffet und Ausklang
22:00 Uhr Ende der Auftaktveranstaltung
 
Nähere Infos findet ihr regelmäßig auf www.oeh.ac.at oder schreibt einfach eine E-Mail an forum.hochschule@oeh.ac.at.
Facebook-Event: www.facebook.com/event.php

Hintergrund

 

Hochschulmisere

Die Studierenden starten dieses Semester in einen Herbst der Verschlechterungen: Zehntausenden wurden die Familienbeihilfe gekürzt, die Versicherungskosten erhöht, und die Zuschüsse zu den Studierendenheimen gestrichen – all diese Sparmaßnahmen treffen die Studierenden schwer. Die OECD trifft ein vernichtendes Urteil über die österreichische Hochschulpolitik und bestätigt die langjährige ÖH-Forderung nach der unbedingt notwendigen Erhöhung der AkademikerInnenquote. Österreich hat sowohl zu wenige StudienanfängerInnen, als auch zu wenige AbsolventInnen. Und Österreich droht weiter ins Hintertreffen zu geraten – das Budget stagniert, und die finanzielle Absicherung von Studierenden bleibt ungenügend. Das letzte hochschulpolitische Reförmchen, das verpflichtende Voranmeldesystem, ist gefloppt. Ein Bekenntnis zur öffentlichen Finanzierung der Universitäten und ein verpflichtender Budgetpfad auf 2% des BIP für die Hochschulen lassen auf sich warten.

 

Der Hochschulplan von BM Töchterle

Der von Bundesminister Töchterle angekündigte ExpertInnenbericht des Wissenschaftsministeriums zielt vor allem auf Eines ab: die Verschriftlichung der ÖVP-Hochschulagenda. Dabei wurde keine Sekunde an den Einbezug von Studierenden und Lehrenden gedacht – alles wird im stillen Kämmerlein ausgearbeitet, ohne die Expertise der Betroffenen zu nutzen. Eine derart einseitige Behandlung der Hochschulpolitik ist für die ÖH nicht akzeptabel.

Zudem zieht Töchterle in seinem Hochschulplan die verkehrten Schlüsse: Anstatt die Empfehlungen der OECD zu befolgen, und mehr Studierende an die Universitäten zu holen, fordert er "Zugangsmanagement", also Beschränkungen. Anstatt Studieren wieder leistbar zu machen, will Töchterle Studierende durch Studiengebühren zusätzlich zu belasten. Die Gebühren haben sich zudem als sozial selektiv erwiesen und sind auch deswegen abzulehen. Statt derartiger Verschlechterungen braucht es einen lösungsorientierten Hochschulplan, der gemeinsam von allen betroffenen Gruppen erarbeitet und breit diskutiert wird.

„Wessen Bildung?“

Während der letzten beiden Jahre hat die ÖH Bundesvertretung zahlreiche Konzepte zur Lösung diverser hochschulpolitischer Problemstellungen entwickelt. Diese Konzepte finden sich im von der ÖH Bundesvertretung letzten Mai herausgegebenen Buch „Wessen Bildung? Beiträge und Positionen zur bildungspolitischen Debatte“ wieder, mit dem die ÖH bereits ein umfassendes alternatives bildungspolitisches Gesamtkonzept vorgelegt hat – eine Basis, auf der das „Forum Hochschule“ konkrete Konzepte entwickelt.

Das „Forum Hochschule“


Mit dem „Forum Hochschule“ erarbeitet die Österreichische HochschülerInnenschaft eine Gegenposition zu Töchterles Hochschulplan. Unter breiter Beteiligung von Studierenden und Lehrenden, - also den unmittelbar Betroffenen -, und unter der Mitarbeit von ExpertInnen aus verschiedenen Themenbereichen wie Bildungswissenschaft, Volkswirtschaftslehre etc. sollen Alternativen zu den ewig gleichen Vorschlägen aus dem Ministerium erarbeitet werden.

 

Die teilnehmenden ExpertInnen werden verschiedene Arbeitsgruppen in Kooperation mit den zuständigen Personen der ÖH leiten und moderieren. Am Ende des Prozesses wird ein konkretes Maßnahmenpapier, ein alternativer Hochschulplan, präsentiert, der als Vorlage für weitreichende Reformen der Hochschulen dienen soll. Das Projekt nimmt auf der Agenda der neuen ÖH-Exekutive einen zentralen Platz ein.

 

Arbeitsgruppen

Das „Forum Hochschule“ gliedert sich in fünf inhaltliche Teilbereiche, die in fünf Arbeitsgruppen separat erarbeitet werden:

 

·         Hochschulfinanzierung

·         Soziale Absicherung von Studierenden

·         Qualität der Lehre

·         Wissenschaft und Forschung

·         Hochschulorganisation und Governance

 

Die ÖH betrachtet diese fünf Bereiche als zentral für eine künftige Hochschulreform. Dazu kommen zwei Querschnittsthemen: Frauenförderung sowie Maßnahmen zur sozialen Durchmischung an den Universitäten, denen in allen Arbeitsgruppen entsprechende Behandlung zukommen soll.

 

Die Arbeitsgruppen im Detail

 

1. AGRU Hochschulfinanzierung

Woher das Geld für die Hochschulen nehmen? Wie soll das Geld verteilt werden? Wie kann man gute Studienbedingungen schaffen? Diese Arbeitsgruppe erarbeitet ein konkretes Finanzierungsmodell und präsentiert einen Schlüssel für die Verteilung und Verwendung der Mittel.

 

2. AGRU Soziale Absicherung von Studierenden

Diese Arbeitsgruppe widmet sich der Frage, wie Studierende sich bestmöglich auf ihr Studium konzentrieren können, ohne von der ökonomischen Situation ihrer Familie abhängig zu sein. Das derzeitige Beihilfensystem wird analysiert, konkrete Reformvorschläge werden errechnet und vorgelegt.

 

3. AGRU Qualität der Lehre

Was bedeutet qualitätsvolle Lehre und wie kann diese kontinuierlich verbessert werden? Diese Arbeitsgruppe setzt die ursprünglichen Intentionen des Bologna-Prozesses kritisch in Gegensatz zu aktuellen Curricula-Entwicklungen. Hinzu kommen Fragen der Ausbildung von Lehrenden. Im Großen und Ganzen sollen in dieser Arbeitsgruppe die Grundvoraussetzungen für eine qualitativ hochwertige Lehre und ein qualitativ hochwertiges Studium, sowie eine entsprechende Qualitätssicherung geschaffen werden.

 

4. AGRU Wissenschaft und Forschung

In Abstimmung mit der AGRU Hochschulfinanzierung werden Lösungen vorgelegt, wie Wissenschaft finanziert und die soziale Situation von WissenschafterInnen stabilisiert werden kann. Neben der Förderung von JungwissenschafterInnen liegt ein besonderer Fokus auf Frauen in Wissenschaft und Forschung. Außerdem legt diese Grupp konkrete Maßnahmen  vor, um den freien Zugang zu Wissen auf den Hochschulen zu ermöglichen.

 

5. AGRU Hochschulorganisation und Governance

Wie lassen sich Entscheidungsprozesse an den Hochschulen demokratisieren? Bringt die Hochschulautonomie nachhaltige Verbesserungen? Und warum nicht einen gemeinsamen Hochschulsektor in Österreich schaffen? Diese Arbeitsgruppe erarbeitet ein fundiertes Hochschulorganisationsmodell, das eine adäquate Partizipation von Studierenden und Lehrenden sichert, und alle Hochschultypen, - Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogische Hochschulen -, berücksichtigt.

 

Roadmap

 

19. Oktober 2011:   Auftaktveranstaltung mit Podiumsdiskussion

Bearbeitung der Themenfelder in den Arbeitsgruppen

Mitte Dezember:   Präsentation der Zwischenergebnisse mit Diskussion

Anfang 2012:        Präsentation des Alternativen Hochschulplans

 

Partizipation

Das Besondere am „Forum Hochschule“ ist der offene Charakter des Projektes: Mit dem Forum Hochschule gibt es nun endlich einen offenen, partizipativen bildungspolitischen Reformprozess. Vorschläge werden gemeinsam mit den Betroffenen erarbeitet. Es ist wichtig, dass sich etwa Studierende als betroffene Gruppe selber einbringen, denn nur sie wissen, was gut für sie läuft, und wo es im Hochschulalltag hakt. Alle HochschulpartnerInnen sind aufgefordert zu partizipieren: Studierende, ExpertInnen, Lehrende und andere InteressentInnen. 

Alle können mitmachen – einfach ein Mail an forum.hochschule@oeh.ac.at schreiben und zum nächsten Arbeitsgruppentreffen kommen!

Hochschulpolitik geht auch anders - nämlich gemeinsam, nicht im stillen Kämmerlein, und mit neuen Ideen!



Bundesvertretung der Österreichischen Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft

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