Hochschulmisere
Der Hochschulplan von BM Töchterle
Der von Bundesminister Töchterle angekündigte ExpertInnenbericht des Wissenschaftsministeriums zielt vor allem auf Eines ab: die Verschriftlichung der ÖVP-Hochschulagenda. Dabei wurde keine Sekunde an den Einbezug von Studierenden und Lehrenden gedacht – alles wird im stillen Kämmerlein ausgearbeitet, ohne die Expertise der Betroffenen zu nutzen. Eine derart einseitige Behandlung der Hochschulpolitik ist für die ÖH nicht akzeptabel.
Zudem zieht Töchterle in seinem Hochschulplan die verkehrten Schlüsse: Anstatt die Empfehlungen der OECD zu befolgen, und mehr Studierende an die Universitäten zu holen, fordert er "Zugangsmanagement", also Beschränkungen. Anstatt Studieren wieder leistbar zu machen, will Töchterle Studierende durch Studiengebühren zusätzlich zu belasten. Die Gebühren haben sich zudem als sozial selektiv erwiesen und sind auch deswegen abzulehen. Statt derartiger Verschlechterungen braucht es einen lösungsorientierten Hochschulplan, der gemeinsam von allen betroffenen Gruppen erarbeitet und breit diskutiert wird.
„Wessen Bildung?“
Während der letzten beiden Jahre hat die ÖH Bundesvertretung zahlreiche Konzepte zur Lösung diverser hochschulpolitischer Problemstellungen entwickelt. Diese Konzepte finden sich im von der ÖH Bundesvertretung letzten Mai herausgegebenen Buch „Wessen Bildung? Beiträge und Positionen zur bildungspolitischen Debatte“ wieder, mit dem die ÖH bereits ein umfassendes alternatives bildungspolitisches Gesamtkonzept vorgelegt hat – eine Basis, auf der das „Forum Hochschule“ konkrete Konzepte entwickelt.
Das „Forum Hochschule“
Mit dem „Forum Hochschule“ erarbeitet die Österreichische HochschülerInnenschaft eine Gegenposition zu Töchterles Hochschulplan. Unter breiter Beteiligung von Studierenden und Lehrenden, - also den unmittelbar Betroffenen -, und unter der Mitarbeit von ExpertInnen aus verschiedenen Themenbereichen wie Bildungswissenschaft, Volkswirtschaftslehre etc. sollen Alternativen zu den ewig gleichen Vorschlägen aus dem Ministerium erarbeitet werden.
Die teilnehmenden ExpertInnen werden verschiedene Arbeitsgruppen in Kooperation mit den zuständigen Personen der ÖH leiten und moderieren. Am Ende des Prozesses wird ein konkretes Maßnahmenpapier, ein alternativer Hochschulplan, präsentiert, der als Vorlage für weitreichende Reformen der Hochschulen dienen soll. Das Projekt nimmt auf der Agenda der neuen ÖH-Exekutive einen zentralen Platz ein.
Arbeitsgruppen
Das „Forum Hochschule“ gliedert sich in fünf inhaltliche Teilbereiche, die in fünf Arbeitsgruppen separat erarbeitet werden:
· Hochschulfinanzierung
· Soziale Absicherung von Studierenden
· Qualität der Lehre
· Wissenschaft und Forschung
· Hochschulorganisation und Governance
Die ÖH betrachtet diese fünf Bereiche als zentral für eine künftige Hochschulreform. Dazu kommen zwei Querschnittsthemen: Frauenförderung sowie Maßnahmen zur sozialen Durchmischung an den Universitäten, denen in allen Arbeitsgruppen entsprechende Behandlung zukommen soll.

Die Arbeitsgruppen im Detail
1. AGRU Hochschulfinanzierung
Woher das Geld für die Hochschulen nehmen? Wie soll das Geld verteilt werden? Wie kann man gute Studienbedingungen schaffen? Diese Arbeitsgruppe erarbeitet ein konkretes Finanzierungsmodell und präsentiert einen Schlüssel für die Verteilung und Verwendung der Mittel.
2. AGRU Soziale Absicherung von Studierenden
Diese Arbeitsgruppe widmet sich der Frage, wie Studierende sich bestmöglich auf ihr Studium konzentrieren können, ohne von der ökonomischen Situation ihrer Familie abhängig zu sein. Das derzeitige Beihilfensystem wird analysiert, konkrete Reformvorschläge werden errechnet und vorgelegt.
3. AGRU Qualität der Lehre
Was bedeutet qualitätsvolle Lehre und wie kann diese kontinuierlich verbessert werden? Diese Arbeitsgruppe setzt die ursprünglichen Intentionen des Bologna-Prozesses kritisch in Gegensatz zu aktuellen Curricula-Entwicklungen. Hinzu kommen Fragen der Ausbildung von Lehrenden. Im Großen und Ganzen sollen in dieser Arbeitsgruppe die Grundvoraussetzungen für eine qualitativ hochwertige Lehre und ein qualitativ hochwertiges Studium, sowie eine entsprechende Qualitätssicherung geschaffen werden.
4. AGRU Wissenschaft und Forschung
In Abstimmung mit der AGRU Hochschulfinanzierung werden Lösungen vorgelegt, wie Wissenschaft finanziert und die soziale Situation von WissenschafterInnen stabilisiert werden kann. Neben der Förderung von JungwissenschafterInnen liegt ein besonderer Fokus auf Frauen in Wissenschaft und Forschung. Außerdem legt diese Grupp konkrete Maßnahmen vor, um den freien Zugang zu Wissen auf den Hochschulen zu ermöglichen.
5. AGRU Hochschulorganisation und Governance
Wie lassen sich Entscheidungsprozesse an den Hochschulen demokratisieren? Bringt die Hochschulautonomie nachhaltige Verbesserungen? Und warum nicht einen gemeinsamen Hochschulsektor in Österreich schaffen? Diese Arbeitsgruppe erarbeitet ein fundiertes Hochschulorganisationsmodell, das eine adäquate Partizipation von Studierenden und Lehrenden sichert, und alle Hochschultypen, - Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogische Hochschulen -, berücksichtigt.
Roadmap

19. Oktober 2011: Auftaktveranstaltung mit Podiumsdiskussion
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Bearbeitung der Themenfelder in den Arbeitsgruppen
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Mitte Dezember: Präsentation der Zwischenergebnisse mit Diskussion
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Anfang 2012: Präsentation des Alternativen Hochschulplans
Partizipation
Das Besondere am „Forum Hochschule“ ist der offene Charakter des Projektes: Mit dem Forum Hochschule gibt es nun endlich einen offenen, partizipativen bildungspolitischen Reformprozess. Vorschläge werden gemeinsam mit den Betroffenen erarbeitet. Es ist wichtig, dass sich etwa Studierende als betroffene Gruppe selber einbringen, denn nur sie wissen, was gut für sie läuft, und wo es im Hochschulalltag hakt. Alle HochschulpartnerInnen sind aufgefordert zu partizipieren: Studierende, ExpertInnen, Lehrende und andere InteressentInnen.
Alle können mitmachen – einfach ein Mail an forum.hochschule@oeh.ac.at schreiben und zum nächsten Arbeitsgruppentreffen kommen!
Hochschulpolitik geht auch anders - nämlich gemeinsam, nicht im stillen Kämmerlein, und mit neuen Ideen!