Die Arbeitsgruppen schließen den Prozess ab

Bei der Zwischenpräsentation des Hochschulplans von Minister Töchterle im Dezember wurde bestätigt, dass dieser kein großer Wurf ist, sondern nur eine Rechtfertigung für ÖVP-Politiken wie Zugangsbeschränkungen und Studiengebühren liefern soll. Allein die vier „Teilprojekte“ Koordinationsmaßnahmen, Bauleitplan, Forschungsinfrastruktur/Internationales und Kapazitätsorientierte studierendenbezogene Universitätsfinanzierung (Studienplatzfinanzierung) zeigen, wie wenig wirklich versucht wird, Lösungen für ganzheitliche Probleme des Hochschulsektors zu finden.


Wie wegen der Arbeitsweise zu erwarten, kann das Forum Hochschule eine ganzheitliche Sicht liefern. Durch die gezielte Einbindung von Studierenden, Lehrenden, ExpertInnen aus unterschiedlichen Forschungsrichtungen sowie MitarbeiterInnen aus verschiedenen ÖH-Ebenen wurde eine breite Betrachtungsebene geschaffen. Die einzelnen Arbeitsgruppen erarbeiten im Moment ein umfassendes Konzept, in dem Lösungen gefunden werden, die allen HochschulakteurInnen dienen.

Zeitplan

Das Projekt „Forum Hochschule“ gliederte sich in fünf Teilbereiche, die in fünf Arbeitsgruppen separat erarbeitet wurden:

Hochschulfinanzierung
Soziale Absicherung von Studierenden
Qualität der Lehre
Wissenschaft und Forschung
Hochschulorganisation und Governance

Die ÖH betrachtet diese fünf Bereiche als relevant für eine Hochschulreform. Dazu kommen Querschnittsthemen: Frauenförderung sowie Maßnahmen zur sozialen Durchmischung an den Universitäten, denen in allen Arbeitsgruppen entsprechende Behandlung zukommen soll.

Zwischenstände

Forum Hochschule befindet sich voll im Arbeitsprozess. die einzelnen Arbeitsgruppen sind dabei, erste Ergebnisse zu erarbeiten. Der integrative Prozess, bei dem Studierende und Lehrende aus einer Vielzahl von Disziplinen sowie ExpertInnen in den jeweiligen Bereichen zusammen eine Innenansicht sowie umfassende Zukunftsvision erstellen, hat sich als äußerst fruchtbar erwiesen. Bevor die Finalisierung und Präsentation der Ergebnisse Anfang 2012 bevorsteht, wollen wir einen Einblick geben, mit welchen Fragen sich die Arbeitsgruppen momentan beschäftigen.

1. AGRU Hochschulfinanzierung
Diese Arbeitsgruppe entwickelt ein konkretes Finanzierungsmodell für Hochschulen und zeigt konkrete Modelle, wie zusätzliches Geld für den Hochschulsektor lukriert werden kann, und nach welchem Schlüssel das Geld verteilt werden soll.

   Bisheriger Arbeitsfortschritt: Finanzierungsmodelle verschiedener Länder wurden aufbereitet, Pro- und Contra-Argumente erarbeitet. Es wird jetzt an dem konkreten Modell gearbeitet und folgende Fragen gestellt: Wie kann auf kurzfristige Problemstellungen reagiert werden, wie können einfach und überzeugend Anreize geschaffen werden, gesellschaftliche Aufgeaben zu übernehmen (Frauenförderung, Barrierefreiheit, gesellschaftlicher Zugang zu Wissen,...)? Mit unseren ExpertInnen wird konkret errechnet, wie Größe der Lehrveranstaltungen, Lehrform, Semesterstunden etc. in die Finanzierung einfließen.

Kontakt: patrick.pechmann@oeh.ac.at / tinja.zerzer@oeh.ac.at

2. AGRU Soziale Absicherung von Studierenden
Diese Arbeitsgruppe widmet sich der Frage, wie Studierende sich bestmöglich auf ihr Studium konzentrieren können, ohne von der ökonomischen Situation ihrer Familie oder Sachzwängen zu unterliegen. Das derzeitige Beihilfensystem wird analysiert und konkrete Reformvorschläge vorgelegt.

Bisheriger Arbeitsfortschritt: Gibt es "den/die" StudierendeN? Es wird erarbeitet, wie ein Stipendiensystem aussehen muss, um eine bestmögliche Abdeckung der unterschiedlichen Bedürfnisse der Studierenden zu gewährleisten. Weiters wird die Frage gestellt, inwieweit es zusätzliche Sachleistungen in Bereichen wie Wohnen, Mobilität, Kinderbetreuung etc. geben sollte, um jeder und jedem Chancen zum Studium zu bieten.

Kontakt: sozialreferat@oeh.ac.at

3. AGRU Qualität der Lehre
Diese Arbeitsgruppe stellt Indikatoren für Qualität in der Lehre sowie die Qualitätssicherung ebendieser auf. Zudem sollen Fragen von individuellen Curricula von Studienplänen bearbeitet werden, gerade im Hinblick auf die Änderungen, die der Bolognaprozess implementiert hat. Hinzu kommen Fragen der Ausbildung von Lehrenden. Im Großen und Ganzen sollen in dieser Arbeitsgruppe die Grundvoraussetzungen für eine qualitativ hochwertige Lehre und Studium und eine entsprechende Qualitätssicherungen geschaffen werden. 

Bisheriger Arbeitsfortschritt: Um die Rahmenbedingungen, in denen sich die Lehre auf Hochschulen befindet, zu erfassen, müssen unter anderem auf den Stellenwert von Lehre in der Wissenschaft, Qualitätssicherung und Aus- und Fortbildung eingegangen werden. Weitere besondere Aufmerksamkeit bekommen Hoschschuldidaktik und Curriculargestaltung. Eine Kernfrage ist, wie qualitätsvolle Lehre kritisches Bewusstsein fördern sowie Eigeninitiative in Weiterbildung und Forschung wecken kann. Im Bewusstsein der aktuellen Situation wird erarbeitet, wie Lehre aufgewertet werden kann und nicht mehr nur als Hindernis einer wissenschaftlichen Karriere gesehen wird.

Kontakt: iris.schwarzenbacher@oeh.ac.at

4. AGRU Wissenschaft und Forschung
In Abstimmung mit der Finanzierungsarbeitsgruppe werden Lösungen erarbeitet, wie man Wissenschaft finanzieren und die soziale Situation von WissenschafterInnen stabilisieren kann. Weiters geht es um Frauenförderung in der Wissenschaft und die Förderung von JungwissenschafterInnen. Außerdem soll der konkrete Einfluss von Wissenschaft und Forschung auf die Lehre bearbeitet werden

Bisheriger Arbeitsfortschritt: Die strukturellen Rahmenbedingungen von Wissenschaft und Forschung werden selten transparent gemacht und noch seltener hinterfragt. Anhand von systematischer Einbindung von WissenschtftlerInnen verschiedener Disziplinen wird versucht, den status quo im Wissenschaftsbetrieb auf den Grund zu gehen und aufzuzeigen, wo Sackgassen begangen werden. Gibt es ein "Karrieremodell" für junge WissenschaftlerInnen in Österreich, und wenn ja, ist dieses nachhaltig? Ist eine universitäre Anstellung überhaupt noch attraktiv? Wo gibt es Doppelgleisigkeiten in Anstellungsverhältnissen? Wird es mittelfristig zu einem Engpass in Lehre und Forschung kommen? Und wie steht das alles in Verhältnis zu Frauenförderung und szialer Durchmischung an der Universitäten? 

Kontakt: sara.scheiflinger@oeh.ac.at

5. AGRU Hochschulorganisation und Governance
Die Organisation des Hochschulwesens beeinflusst auch die Lebenswelt von einzelnen Studierenden und Lehrenden. Entscheidungsfindungsprozesse sollen nachhaltig demokratisiert werden und unter verstärkter Partizipation von Studierenden und Lehrenden fallen. Auch wird erörtert, ob eine verstärkte Autonomie der Hochschulen Sinn macht, und in wieweit ein gemeinsam verwalteter Hochschulsektor mit Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen soll diskutiert werden. Der konkrete Output dieser Arbeitsgruppe soll ein fundiertes Hochschulorganisationsmodell sein

Bisheriger Arbeitsfortschritt: Die in dieser Arbeitsgruppe aktuell behandelten Fragen sind erst jetzt aufs Feld des politischen Hochschuldiskurses geraten: Was bedeutet Uni-Autonomie und ist sie wünschneswert? Kann und soll es gesellschaftliche und/oder politische Mitbestimmung geben? Wie sieht es mit der Demokratie an Hochschulen aus? Eine wichtige Frage ist auch die Sektorenfrage: Bis zu welchen Grad macht es Sinn, den Hochschulsektor zu vereinheitlichen bzw. zu differenzieren? Wie muss der Hochschulsektor gestaltet sein, um vernünftige Karrieremodelle integrieren zu können?

Kontakt: nadine.hauptfeld@oeh.ac.at / tobias.doerler@oeh.ac.at



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