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LeEZA Nachrichten 2|09, Ausgabe 7 Weibliche Genitalverstümmelung im Nordirak





Seite 2             Editorial
Seite 3             Unterstützung irakischer Frauen in Haft: LeEZA kooperiert mit Haukari/Khanzad
Seite 4             Kurzmeldungen international
                        „Die Strategie findet man mit den Frauen selbst!” Interview über FGM in Österreich
Seite 5              Beschneidung – Genitalverstümmelung: Begrifflichkeiten, Ursprünge und Auswirkungen
Seite 6              FGM im Nordirak. Ergebnisse einer empirischen Untersuchung
Seite 14            Menschenrechte abgeschafft. Die jüngste Fremdenrechtsnovelle in Österreich
Seite 15            Rezensionen


Die im Dezember 2009 erschienene siebte Ausgabe unserer Vereins-Zeitschrift beschäftigt sich erneut, wie bereits die dritte Ausgabe vor nunmehr drei Jahren, mit weiblicher Genitalverstümmelung bzw. Female Genital Mutilation (FGM). Diesmal liegen die Daten jener Erhebung zur Verbreitung von FGM im Nordirak vor, über deren Planung wir unsere Leser_innen und Unterstützer_innen bereits vor drei Jahren informiert hatten. Ines Garnitschnig setzte sich mit den quantitativen Ergebnissen der Befragung, die u. a. von LeEZA unterstützt wurde, auseinander und berichtet in dieser Sondernummer über die Resultate und Perspektiven im Kampf gegen FGM. Wir entschlossen uns ausnahmsweise, eine 16-seitige Ausgabe drucken zu lassen und bedanken uns auf diesem Weg herzlichst bei all jenen, die das Projekt unterstützt haben.

Besonders optimistisch stimmt uns der Start ins Jahr 2010, weil wir im Nordirak mit Khanzad und Haukari neue Kooperationspartner_innen gefunden haben und bereits eines ihrer Projekte unterstützen. Diesmal geht es um Frauen und Mädchen in U-Haft und im Straf- und Jugendgefängnis von Suleymaniah. Die inhaltliche Projektbeschreibung zur neuen Kooperation finden Sie auf Seite 3. Um die notwendigen Eigenmittel hierfür aufzustellen, sind wir über
die nächsten Monate hinweg auf Ihre Spenden angewiesen, und haben zu diesem Zweck der Zeitschrift einen Erlagschein beigelegt. Jeder Betrag, und sei er noch so klein, hilft uns weiter.

Weiters möchten wir Ihnen den neuen Lyrik-Sammelband von den beiden LeEZA-Mitarbeiter_innen Alicia Allgäuer und Thomas Schmidinger empfehlen, der im Oktober 2009 erschienen ist und Flüchtlinge und Migrant_innen in insgesamt 18 Sprachen samt Übersetzung ins Deutsche zu Wort kommen lässt: Man fragt mich, ob ich bin. Lyrik@Migration (Verein Alltag Verlag, 2009).

Bitte werfen Sie auch einen Blick auf unsere Homepage! Dort finden Sie nun einen vierten kurzen Videoclip, der die Arbeit unserer Kooperationspartnerinnen in Diyarbakir (Osttürkei) das Frauenzentrum EPIDEM, und deren Arbeit mit intern vertriebenen Kurdinnen zeigt. Herzlichen Dank an Daniel Binder, der all jene Clips für uns produzierte, die auf www.leeza.at zu finden sind!

Wenn Sie die aktuellen LeEZA-Nachrichten bestellen möchten, schicken Sie uns einfach ihre Postanschrift!
Die Zeitung ist gratis, wir freuen uns aber, wenn Sie uns für den Versand etwas überweisen würden. Ein Zahlschein liegt der Zeitschrift bei. Über Speden freuen wir uns ganz besonders.

Wir wünschen unseren Leser_innen und Unterstützer_innen ein gutes und frohes Jahr 2010!
Ihr LeEZA-Team

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LeEZA
Liga für emanzipatorische Entwicklungszusammenarbeit

Die siebte Ausgabe der LeEZA-Nachrichten, diesmal mit dem Schwerpunkt "Weibliche Genitalverstümmelung im Nordirak" wird kostenlos per Post zugeschickt. Mailen Sie uns Ihre Adresse!


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Female Genital Mutilation (FGM)

„Aber die Erinnerung und der Schmerz verschwinden niemals!“
 
Die  Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass zwischen 100 und 140 Millionen Frauen und Mädchen an den Genitalien beschnitten sind. Jedes Jahr werden erneut an die 3 Millionen Frauen und Mädchen Opfer dieser Praktik. Die größte Verbreitung findet weibliche Genitalverstümmelung bzw. Female Genital Mutilation (FGM) in Afrika aber auch in Europa leben laut Berechnung der Vereinten Nationen über 500 000 beschnittene Frauen und Mädchen.
 
"Weibliche Genitalverstümmelung umfasst alle Prozeduren, die die teilweise oder völlige Entfernung der externen weiblichen Genitalien oder andere Verletzungen der weiblichen Genitalien involvieren, sei es aus kulturellen oder anderen nicht-therapeutischen Gründen." -  Definition WHO
 
1995 erstellte die WHO eine Klassifikation der verschieden Typen der Eingriffe, diese werden aufsteigend in ihrer Form immer extremer.
 
Seit den 90er Jahren wurden zahlreiche Abschlusserklärungen der internationalen UN-Konferenzen von der internationalen Staatengemeinschaft verfasst um diese Praktiken zu verurteilen, doch dadurch wird das Problem nicht gelöst.
 
Neben der Tradition werden auch medizinische Mythen und ästhetische Vorstellungen oft als Rechtfertigungsgründe für diese Köperverletzung genannt. So glaubt man zum Beispiel, dass das Nicht-Beschneiden der Genitalien negative Auswirkungen auf die Gesundheit sowie die Fruchtbarkeit der Frau wie auch für die Gesundheit des Geschlechtspartners und von der Frau geborener Kinder hat.  Keine dieser Aussagen ist wahr. Des weiteren haben verstümmelte Frauen bessere Chancen am Heiratsmarkt, sie gelten nachweislich als Jungfrauen und bringen somit der Familie des Mädchens oder der Frau ein höheres Brautgeld ein.
 
Auch im Europa des 19.Jahrhundert war man der Ansicht, dass man mit Hilfe der Beschneidung der Klitoris der Masturbation bei Frauen entgegenwirken und so diverse Geisteskrankheiten bekämpfen könne. Ebenso glaubte man dadurch weibliche Homosexualität, Hyper-Sexualität und Hysterien „heilen“ zu können.
 
Folgen von FGM für die Frau
 
Die FGM wird meist unter unsterilen Bedingungen mit Glasscherben, Rasierklingen etc. durchgeführt wobei oft mit ein und demselben Werkzeug gleich mehrere Mädchen beschnitten werden, was die Wahrscheinlichkeit erhöht sich mit Tetanus, HIV, Hepatitis oder Kinderlähmung anzustecken. Der enorm hohe Blutverlust und die unvorstellbaren Schmerzen können unter anderem zu Krampfanfällen, Schock und sogar bis zum Tod führen.  Als chronische Konsequenzen können Inkontinenz, Harnwegsentzündungen, der totale Verlust von Lustempfinden und Komplikationen bei der Geburt  auftreten.
 
Da der Eingriff  oft ohne Narkose und ohne lokale Betäubung durchgeführt wird ist dieses Erlebnis für die betroffenen Frauen und Mädchen in höchstem Grade traumatisierend. Opfer solch unbeschreiblicher Gewalt zeigen oft unergründbare psychische Symptome, Angstreaktionen und Verhaltensstörungen. Oft kommt ein Gefühl von Unvollständigkeit  und Minderwertigkeit auf, was auch zu Depressionen führen kann. Es fällt betroffenen Mädchen und Frauen häufig schwer ihre Gefühle zu äußern.
 
Situation in Österreich
 
Laut Schätzung der Afrikanischen Frauenorganisation in Wien, leben ca. 8.000 Opfer von FGM in Österreich, und jährlich werden weitere Hunderte hier lebende Mädchen und Frauen verstümmelt, sei es nun von „kundigen“ Frauen hier in Österreich oder in ihren Heimatländern. Am 25. November des letzten Jahres präsentierte Nationalratspräsidentin Prammer, nicht zufällig am Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, einen österreichischen  Aktionsplan gegen FGM in Österreich, an deren Entwicklung die Afrikanische Frauenorganisation Wien maßgeblich beteiligt war. Dieser österreichische Aktionsplan ist Teil des von der EU geförderten Projekts "Daphne" an dem sich noch 15 Staaten beteiligt  haben. Im Zeitraum von 2009 bis 2011 soll vor allem Aufklärungsarbeit an Schulen, Bewusstseinsbildung für das Problem und die Beratung von Opfern forciert werden. Auch die Einrichtung einer Website, mehrsprachige Informationsfolder, Radio- und TV-Spots sowie Schulungen für religiöse Leiterinnen und Leiter, die Exekutive, Ärzte und für andere Gesundheitsberufe sind angedacht.
 
Solltest du weitere Informationen zu diesem Thema wünschen, findest du anbei eine Liste von Organisationen in Österreich und Deutschland.

 
www.stopfgm.at
www.profrau.at
www.frauenrechte.de
www.parlament.gv.at