Du bist hier: Start | Frauenpolitik | Frauenzimmer

Ende nach 30 Jahren Frauenzimmer

Das Frauenzimmer, die einzige feministische Buchhandlung Österreichs, hat vor einigen Wochen nach 30 Jahren geschlossen.

„Meiner Erinnerung nach entstand die Idee einer Frauenbuchhandlung und eines Frauencafes bei einem Waldspaziergang mit Erica“, erinnert sich eine der Gründerinnen, Jane Wegscheider Hyman, zurück. Zwar gab es eine Vielzahl von feministischer und lesbischer Literatur aber diese war nur schwer zugänglich bzw. ließ die Beratung zu Wünschen übrig. Jane Wegscheider Hyman, Erica Fischer, Ülküm Fürst und Brigitte Lehmann beschlossen, Wien mehr geben zu wollen als „nur“ einen Büchertisch im Frauenzentrum und so gründeten sie das Frauenzimmer, halb Cafe, halb Buchhandlung nach dem Vorbild des Lillemor in München und des Lilith in Berlin.

Anfangs hatten die Frauen mit ihrer Ideen zwar einige Hürden zu überwinden, wie etwa die Kritik über die kommerzielle Ausrichtung der Fraueneinrichtung, doch umso größer war der spätere Erfolg. Das Frauenzimmer wurde für junge Frauen sowie alt eingessene Feministinnen zum Treffpunkt und zum Austauschplatz. Lesungen, Diskussionsveranstaltungen aber auch die zu kaufenden Bücher selbst sorgten immer wieder für Kontroversen. So gab es nicht nur „unumstrittene“ feministisch akzeptierte Literatur, sondern eben auch Literatur wie das  „Eva-Prinzip“ von Eva Hermann, die ja im Hagel der feministischen Kritik steht.

Um 1996 begann dann die finanzielle schwere Lage des Frauenzimmers, die vor einigen Wochen dann dazu führte, dass es zum letzten Mal geöffnet wurde. Die Konkurrenz „Internetbestellungen“ scheinen zu attraktiv gewesen zu sein. Sehr schade, denn war die Beratung, der Flair und das Sortiment dieser Buchhandlung doch einzigartig.