Mythen über Studierende und ihre Lebensrealität
Fast könnte man/frau meinen, ganz Österreich ist überzeugt davon, dass Studierende faule, arrogante, SozialschmarotzerInnen sind. Das die heutige Realität der Studierenden von fianziellen Nöten, katastrophalen Studienbedingungen, einem gnadenlosen Wettbewerb, zunehmender Erwerbstätigkeit und dem verzweifeltem Versuch gleichzeitig zu studieren und den Lebensunterhalt zu verdienen, geprägt ist, ist ein Bild, das von den zuständigen Politkern und den österreichischenMedien nur allzugern unter den Tisch gekehrt wird.
Wir haben die gängisgsten Mythen über Studierende und ihre einfache Entkräftung zusammengefasst. Mit diesem Projekt wollen wir einen ersten Schritt setzen, die heutige studentische Realität in der öffentlichen Wahrnehmung zu verankern.
- Mythos Nr. 1: Nach dem neuen Sozialdienst-Modell muss niemand mehr Studiengebühren zahlen, der/die das nicht will!
- Mythos Nr. 2: Die Studierenden sollen arbeiten gehen, anstatt sich auf Kosten der SteuerzahlerInnen ein schönes Leben zu machen!
- Mythos Nr. 3: Nur die faulen und reichen Studierenden müssen dann noch Gebühren zahlen!
- Mythos Nr. 4: Die Studierenden sind sich zu gut, um für 6 Euro in der Stunde zu arbeiten!
- Mythos Nr. 5: Wenn die Studiengebühren abgeschafft werden, inskribieren alle, um die Freifahrt zu bekommen!
- Mythos Nr. 6: Wenn die Studiengebühren abgeschafft werden, inskribieren alle, um in den Genuss der staatlichen Beihilfen zu kommen!
- Mythos Nr. 7: Dann haben wir ja lauter ScheininskribentInnen!
- Mythos Nr. 8: Studierende bekommen eh so viele Vergünstigungen, zum Beispiel die Befreiung von den Rundfunkgebühren oder die Freifahrt!
- Mythos Nr. 9: Die sozial Schwachen bekommen die Gebühren eh zurück!
- Mythos Nr. 10: Ein offener Hochschulzugang bringt auch nicht mehr Studierende aus sozial benachteiligten Schichten an die Unis!
- Mythos Nr. 11: 360 Euro im Semester sind ja eh nicht viel!
- Mythos Nr. 12: Die Studierenden machen sich auf Kosten von uns SteuerzahlerInnen ein schönes Leben!
- Mythos Nr. 13: Die Stipendien wurden ja eh angehoben!
- Mythos Nr. 14: Mit 600 Euro muss man/frau auskommen. Wozu brauchen die Studierenden mehr Geld?
- Mythos Nr. 15: Wir SteuerzahlerInnen zahlen den Studierenden die Ausbildung, damit sie dann fett Kohle scheffeln können!
- Mythos Nr. 16: Die Studierenden können mit dem Sozialdienst endlich einen Beitrag an die Gesellschaft leisten.
- Mythos Nr. 17: Leistungsbezogene Zugangsbeschränkungen sind fair; wer sich anstrengt, kann’s eh schaffen!
- Mythos Nr. 18: Was nichts kostet ist auch nichts wert!
- Mythos Nr. 19: Durch die Einhebung von Studiengebühren steigt die Qualität der Hochschulbildung!
- Mythos Nr. 20: Studiengebühren sind notwendig, um soziale Gerechtigkeit herzustellen, da sonst ärmere Bevölkerungsschichten die Ausbildung der Reichen bezahlen.
Mythos Nr. 1: Nach dem neuen Sozialdienst-Modell muss niemand mehr Studiengebühren zahlen, der/die das nicht will!
Falsch! Nach dieser Argumentation hat es davor auch schon keine Studiengebühren gegeben. Studierende durften (und mussten) schon immer arbeiten, um die Studiengebühren zu zahlen. Mehr noch: sie müssen auch ihren Lebensunterhalt erwirtschaften. Jetzt zu sagen: Dann sollen sie halt arbeiten, und auch noch zu behaupten damit wären dann die Studiengebühren abgeschafft, ist mehr als zynisch.
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Mythos Nr. 2: Die Studierenden sollen arbeiten gehen, anstatt sich auf Kosten der SteuerzahlerInnen ein schönes Leben zu machen!
Auf die Idee sind die Studierenden auch schon gekommen! Zwei Drittel der Studierenden arbeiten neben dem Studium. Mit jenen Studierenden, die in den Ferien jobben, sind es sogar 80%.
Eine aktuelle Studie der ArbeiterInnenkammer zeigt erneut auf: Die Erwerbstätigkeit führt zu massiven Studienzeitverzögerungen, da sie oft mit den geltenden Studienplänen nicht vereinbar ist.
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Eine aktuelle Studie der ArbeiterInnenkammer zeigt erneut auf: Die Erwerbstätigkeit führt zu massiven Studienzeitverzögerungen, da sie oft mit den geltenden Studienplänen nicht vereinbar ist.
Mythos Nr. 3: Nur die faulen und reichen Studierenden müssen dann noch Gebühren zahlen!
Falsch! Und zynisch noch dazu. Bereits heute sind 2/3 der Studierenden erwerbstätig. Unter anderem um die Studiengebühren finanzieren zu können. Diese Personen nun vor die Wahl zu stellen entweder zu einem niedrigeren Lohn Sozialdienst zu leisten oder trotz Erwerbstätigkeit als faul und unsozial zu gelten ist mehr als zynisch.
Darüber hinaus ist jeder österreichische Studienplan heute auf einen Zeitaufwand von 40h/Woche ausgelegt. Jegliche Erwerbsarbeit oder freiwilliges Engagement erfolgt zusätzlich oder zu Lasten des Studiums.
Die daraus entstehenden Studienzeitverzögerungen führen in weiterer Folge oft zum Verlust von Beihilfen.
Knapp 10% der Studierenden haben (ein) Kind(er), auch diese Betreuungspflichten gehen zu Lasten von Erwerbstätigkeit und Studium.
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Darüber hinaus ist jeder österreichische Studienplan heute auf einen Zeitaufwand von 40h/Woche ausgelegt. Jegliche Erwerbsarbeit oder freiwilliges Engagement erfolgt zusätzlich oder zu Lasten des Studiums.
Die daraus entstehenden Studienzeitverzögerungen führen in weiterer Folge oft zum Verlust von Beihilfen.
Knapp 10% der Studierenden haben (ein) Kind(er), auch diese Betreuungspflichten gehen zu Lasten von Erwerbstätigkeit und Studium.
Mythos Nr. 4: Die Studierenden sind sich zu gut, um für 6 Euro in der Stunde zu arbeiten!
Falsch! Bis zu 80% der Studierenden sind erwerbstätig und zwar zu zumindest geringfügig höheren Stundenlöhnen (in der Regel 7 bis 10 Euro). Vielen ist es ökonomisch nicht zumutbar, zu einem geringeren Stundenlohn Sozialdienst zu leisten (schließlich müssen neben den Studiengebühren auch noch Miete, Strom, Lebensmittel etc. bezahlt werden) oder zeitlich nicht zumutbar zusätzlich diesen Dienst zusätzlich zu absolvieren. Immerhin beträgt der Arbeitsaufwand eines Studiums nach dem Studienplan soviel wie in einem regulärem Erwerbsverhältnis: 40h/Woche.
Darüber hinaus sind die meisten Studierenden in prekären Beschäftigungsverhältnissen mit nur mangelnder rechtlicher und sozialer Absicherung tätig.
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Darüber hinaus sind die meisten Studierenden in prekären Beschäftigungsverhältnissen mit nur mangelnder rechtlicher und sozialer Absicherung tätig.
Mythos Nr. 5: Wenn die Studiengebühren abgeschafft werden, inskribieren alle, um die Freifahrt zu bekommen!
Falsch, die Freifahrt für Studierende wurde 1996 – übrigens auch von der SPÖ – abgeschafft.
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Mythos Nr. 6: Wenn die Studiengebühren abgeschafft werden, inskribieren alle, um in den Genuss der staatlichen Beihilfen zu kommen!
Falsch. Wer Beihilfen (Studienbeihilfe oder Familienbeihilfe) beziehen will, muss regelmäßig einen Leistungsnachweis in Form von absolvierten Wochenstunden erbringen. Wer also „nichts“ macht, hat auch keinen Anspruch auf Beihilfen.
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Mythos Nr. 7: Dann haben wir ja lauter ScheininskribentInnen!
Und? Wem tun die weh? Wer nicht studiert, verursacht auch keine Kosten. Auch den Zugang zu Beihilfen hat man/frau ohne Studienerfolg nicht. Vergünstigungen wie die Freifahrt für Studierende wurden bereits in den 90er Jahren – auch von der SPÖ – abgeschafft.
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Mythos Nr. 8: Studierende bekommen eh so viele Vergünstigungen, zum Beispiel die Befreiung von den Rundfunkgebühren oder die Freifahrt!
Falsch! Nur wer Studienbeihilfe bezieht kann von den Rundfunkgebühren befreit werden, das sind derzeit gerade mal knappe 18% der Studierenden.
Die Freifahrt für Studierende wurde 1996 – übrigens auch von der SPÖ – abgeschafft. Heute stellen Tickets für den öffentlichen Verkehr sogar mit Ermäßigung eine nicht unwesentliche finanzielle Belastung für Studierende dar.
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Die Freifahrt für Studierende wurde 1996 – übrigens auch von der SPÖ – abgeschafft. Heute stellen Tickets für den öffentlichen Verkehr sogar mit Ermäßigung eine nicht unwesentliche finanzielle Belastung für Studierende dar.
Mythos Nr. 9: Die sozial Schwachen bekommen die Gebühren eh zurück!
Insgesamt bekommen knapp 18% der Studierenden Studienbeihilfe (und damit die Rückerstattung der Gebühren). Diese Zahl sagt auch noch nichts über die Höhe der Beihilfe aus, unter den 18% befinden sich auch Studierende, die gerade mal den Mindestbetrag von 15 Euro pro Monat bekommen. Unter den StudienanfängerInnen aus „sozial niedriger“ Schicht bekommen gerade mal 55% Studienbeihilfe.
Darüber hinaus müssen die Studiengebühren Semester für Semester von den Studierenden selbst aufgebracht und vorgestreckt werden, und werden – vorausgesetzt der entsprechende Antrag wird bewilligt – dann (oft Monate später) von der Stipendienstelle zurückgezahlt.
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Darüber hinaus müssen die Studiengebühren Semester für Semester von den Studierenden selbst aufgebracht und vorgestreckt werden, und werden – vorausgesetzt der entsprechende Antrag wird bewilligt – dann (oft Monate später) von der Stipendienstelle zurückgezahlt.
Mythos Nr. 10: Ein offener Hochschulzugang bringt auch nicht mehr Studierende aus sozial benachteiligten Schichten an die Unis!
Eine Abschaffung der finanziellen Barrieren ist ein wesentlicher Schritt um eine Ausweitung des Hochschulzugangs und eine repräsentativere soziale Durchmischung zu erreichen. Gleichzeitig muss hier aber auch an anderen Punkten angesetzt werden: dem Schulsystem, dem (Selbst-)Verständnis von höherer Bildung in bestimmten sozialen Schichten und der sozialen Absicherung. Hier müssen aktive Maßnahmen gesetzt werden.
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Mythos Nr. 11: 360 Euro im Semester sind ja eh nicht viel!
360 Euro sind umgerechnet 60 Euro im Monat. Bei den derzeitigen Lebenserhaltungskosten und Mietpreisen in den Ballungsräumen (wo sich die Universitäten nun mal befinden) ist eine Zusatzbelastung von 60 Euro im Monat enorm viel.
Noch dazu muss der Betrag von 363 Euro jeden Semesterbeginn auf einmal aufgebracht werden. Vielen Studierenden hilft nur noch der Weg, sich Geld auszuborgen und sich zu verschulden.
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Noch dazu muss der Betrag von 363 Euro jeden Semesterbeginn auf einmal aufgebracht werden. Vielen Studierenden hilft nur noch der Weg, sich Geld auszuborgen und sich zu verschulden.
Mythos Nr. 12: Die Studierenden machen sich auf Kosten von uns SteuerzahlerInnen ein schönes Leben!
Staatliche Beihilfen machen gerade mal 9% (!) des einem oder einer Studierenden im Durchschnitt zur Verfügung stehenden Budgets aus. Hingegen macht eigene Erwerbstätigkeit 43% des Budgets aus!
Knapp 20% der Studierenden gelten als so genannte „Erwerbsfinanzierte“, hier macht eigenes Erwerbseinkommen über ¾ des Gesamtbudgets aus. Die Zahl jener, die ihr Studium und ihre Lebenserhaltungskosten zu mehr als ¾ durch staatliche Beihilfen finanzieren, beläuft sich auf 2%!
Darüber hinaus sind auch Studierende nicht von Steuern befreit. Massensteuern wie die Mehrwertsteuer werden von ihnen genauso bezahlt. Ab dem dafür maßgeblichen Einkommen zahlen auch Studierende Einkommens- oder Lohnsteuer. Ein späteres eventuell aufgrund der Ausbildung höheres Einkommen wird aufgrund des progressiven Steuersystems auch höher besteuert. Passiert dies nicht, liegt der Fehler im Steuersystem und nicht im freien Hochschulzugang!
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Knapp 20% der Studierenden gelten als so genannte „Erwerbsfinanzierte“, hier macht eigenes Erwerbseinkommen über ¾ des Gesamtbudgets aus. Die Zahl jener, die ihr Studium und ihre Lebenserhaltungskosten zu mehr als ¾ durch staatliche Beihilfen finanzieren, beläuft sich auf 2%!
Darüber hinaus sind auch Studierende nicht von Steuern befreit. Massensteuern wie die Mehrwertsteuer werden von ihnen genauso bezahlt. Ab dem dafür maßgeblichen Einkommen zahlen auch Studierende Einkommens- oder Lohnsteuer. Ein späteres eventuell aufgrund der Ausbildung höheres Einkommen wird aufgrund des progressiven Steuersystems auch höher besteuert. Passiert dies nicht, liegt der Fehler im Steuersystem und nicht im freien Hochschulzugang!
Mythos Nr. 13: Die Stipendien wurden ja eh angehoben!
Das stimmt so nicht ganz. Die Ausweitung der Stipendien nach Einführung der Studiengebühren bezog sich auf die Ausweitung des bezugsberechtigten Personenkreises. Sie hat vor allem die so genannte „gehobene“ Schicht begünstigt. 2001 bezogen mehr als doppelt so viele StudienanfängerInnen (40%) aus „gehobener Schicht“ Studienbeihilfe wie noch ein paar Jahre zuvor (18%). Dahingegen bezogen nach wie vor nur 55% der AnfängerInnen aus „sozial niedriger“ Schicht Studienbeihilfe.
Darüber hinaus wurde die Höhe der Stipendien seit gut 8 Jahren nicht einmal an die Inflation angepasst, von einer tatsächlichen Erhöhung ganz zu schweigen!
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Darüber hinaus wurde die Höhe der Stipendien seit gut 8 Jahren nicht einmal an die Inflation angepasst, von einer tatsächlichen Erhöhung ganz zu schweigen!
Mythos Nr. 14: Mit 600 Euro muss man/frau auskommen. Wozu brauchen die Studierenden mehr Geld?
Studierende müssen nicht nur für ihr Studium (Studiengebühren, Bücher, Kopien etc.) aufkommen, sondern auch für ihren Lebensunterhalt. Miete, Betriebskosten, Strom und Gas, Versicherung, Lebensmittel, Tickets für die Öffis etc. wollen auch bezahlt werden.
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Mythos Nr. 15: Wir SteuerzahlerInnen zahlen den Studierenden die Ausbildung, damit sie dann fett Kohle scheffeln können!
Zum einen sind auch Studierende SteuerzahlerInnen und werden dies vor allem auch nach ihrem Studium sein. Profitieren die Studierenden von ihrer höheren Qualifikation im Sinn von höherem Einkommen, zahlen sie dies in Form von Steuern sowieso wieder an den Staat zurück. Passiert das (bei entsprechendem Einkommen) nicht, dann liegt der Fehler im Steuersystem, nicht im Bildungssystem.
Darüber hinaus braucht unsere Gesellschaft mehr denn je hochqualifizierte Arbeitskräfte. Niemand in der Bevölkerung will wohl auf ÄrztInnen oder RichterInnen verzichten müssen. Die Finanzierung einer solchen Ausbildung an die private Finanzkraft zu knüpfen bedeutet aber, solche Berufe nur mehr der zahlungskräftigen Oberschicht zu ermöglichen.
Ziel muss es also sein, immer mehr junge Leute an die Universitäten zu bringen, anstatt durch finanzielle Hürden die Reproduktion der gesellschaftlichen Elite voranzutreiben.
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Darüber hinaus braucht unsere Gesellschaft mehr denn je hochqualifizierte Arbeitskräfte. Niemand in der Bevölkerung will wohl auf ÄrztInnen oder RichterInnen verzichten müssen. Die Finanzierung einer solchen Ausbildung an die private Finanzkraft zu knüpfen bedeutet aber, solche Berufe nur mehr der zahlungskräftigen Oberschicht zu ermöglichen.
Ziel muss es also sein, immer mehr junge Leute an die Universitäten zu bringen, anstatt durch finanzielle Hürden die Reproduktion der gesellschaftlichen Elite voranzutreiben.
Mythos Nr. 16: Die Studierenden können mit dem Sozialdienst endlich einen Beitrag an die Gesellschaft leisten.
Aussagen wie diese beinhalten die Unterstellung, dass Studierende keinen Beitrag an die Gesellschaft leisten. Zahlreiche Studierende sind neben ihrem Studium ehrenamtlich in den verschiedensten Bereichen, vom Sozialbereich über Interessenvertretungen bis zu gemeinnützigen Hilfsorganisationen, tätig. Diese Tätigkeit ist oft unentgeltlich oder – dort wo sie Teil des Studiums ist – unterbezahlt.
Aus diesem Grund sind 2/3 der Studierenden nebenbei auch noch erwerbstätig. Dies ist allerdings mit den auf einen Arbeitsaufwand von 40h/Woche ausgelegten Studienplänen nur selten vereinbar.
Darüber hinaus ist es Aufgabe einer Gesellschaft in die Bildung der eigenen Bevölkerung zu investieren, da nur so mit der sich ändernden Arbeitswelt und Technologisierung Schritt gehalten werden kann.
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Aus diesem Grund sind 2/3 der Studierenden nebenbei auch noch erwerbstätig. Dies ist allerdings mit den auf einen Arbeitsaufwand von 40h/Woche ausgelegten Studienplänen nur selten vereinbar.
Darüber hinaus ist es Aufgabe einer Gesellschaft in die Bildung der eigenen Bevölkerung zu investieren, da nur so mit der sich ändernden Arbeitswelt und Technologisierung Schritt gehalten werden kann.
Mythos Nr. 17: Leistungsbezogene Zugangsbeschränkungen sind fair; wer sich anstrengt, kann’s eh schaffen!
Stimmt nicht! Auch so genannte „leistungsbezogene“ Auswahlverfahren treiben die soziale Selektion voran.
Zahlreiche Studien wie die des französischen Soziologen Pierre Bourdieu oder des deutschen Soziologen Michael Hartmann haben gezeigt, dass bei mündlichen Prüfungen, Aufnahmegesprächen etc. nicht so sehr das spezielle Fachwissen sondern vielmehr Präsentationsfähigkeit, kommunikative Offenheit und Einfühlungsvermögen zählen, alles Dinge, die untrennbar mit der Sozialisation in einer gehobenen sozialen Schicht verbunden sind. Können diese Erwartungen nicht erfüllt werden, wird dies als Mangel an Qualifikation gesehen, wohingegen die Gabe zur tatsächlichen Erfassung des Gelernten jenen Personen zugeschrieben wird, die sich auch gehörig präsentieren können. „Der Professor bevorzugt instinktiv die Studenten, die in ihrer Vollendung die privilegierten Werte der Bourgeoisie ausdrücken, zu der er selbst gehört, oder zu der er sich mit seiner Ausbildung zählt“, womit sich bei mündlichen Prüfungen „das stillschweigende Klasseneinverständnis implizit ab[spielt]“ (Bourdieu 2001. Wie die Kultur zum Bauern kommt 23)
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Zahlreiche Studien wie die des französischen Soziologen Pierre Bourdieu oder des deutschen Soziologen Michael Hartmann haben gezeigt, dass bei mündlichen Prüfungen, Aufnahmegesprächen etc. nicht so sehr das spezielle Fachwissen sondern vielmehr Präsentationsfähigkeit, kommunikative Offenheit und Einfühlungsvermögen zählen, alles Dinge, die untrennbar mit der Sozialisation in einer gehobenen sozialen Schicht verbunden sind. Können diese Erwartungen nicht erfüllt werden, wird dies als Mangel an Qualifikation gesehen, wohingegen die Gabe zur tatsächlichen Erfassung des Gelernten jenen Personen zugeschrieben wird, die sich auch gehörig präsentieren können. „Der Professor bevorzugt instinktiv die Studenten, die in ihrer Vollendung die privilegierten Werte der Bourgeoisie ausdrücken, zu der er selbst gehört, oder zu der er sich mit seiner Ausbildung zählt“, womit sich bei mündlichen Prüfungen „das stillschweigende Klasseneinverständnis implizit ab[spielt]“ (Bourdieu 2001. Wie die Kultur zum Bauern kommt 23)
Mythos Nr. 18: Was nichts kostet ist auch nichts wert!
Der Wert höherer Bildung bemisst sich nicht an der privaten Finanzierungsbeteiligung. Im Gegenteil: wer finanzielle Hürden zum Hochschulzugang aufstellt, sichert sich, dass bestimmte Schlüsselpositionen in der Gesellschaft auch weiterhin in erster Linie von der finanzkräftigen Elite geerbt werden.
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Mythos Nr. 19: Durch die Einhebung von Studiengebühren steigt die Qualität der Hochschulbildung!
Wie bitte? Die Argumentation, warum eine zusätzliche finanzielle Belastung der Studierenden die Qualität der Lehre verbessern soll, muss erst noch gefunden werden. Die österreichischen Universitäten sind immer noch deutlich unterfinanziert, um das EU-Ziel von 2% des BIP zu erreichen, müssen die Universitätsausgaben mehr als verdoppelt werden!
Im Übrigen wurde in Österreich das staatliche Uni-Budget im gleichen Ausmaß gekürzt, wie die Unis durch die Studiengebühren Mehreinnahmen erhalten haben. Schlimmer noch, die Verwaltungskosten der Studiengebühreneinhebung müssen die Unis tragen, sie steigen also in Summe negativ aus.
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Im Übrigen wurde in Österreich das staatliche Uni-Budget im gleichen Ausmaß gekürzt, wie die Unis durch die Studiengebühren Mehreinnahmen erhalten haben. Schlimmer noch, die Verwaltungskosten der Studiengebühreneinhebung müssen die Unis tragen, sie steigen also in Summe negativ aus.
Mythos Nr. 20: Studiengebühren sind notwendig, um soziale Gerechtigkeit herzustellen, da sonst ärmere Bevölkerungsschichten die Ausbildung der Reichen bezahlen.
Stimmt nicht! Zwar sind Studierende privilegierter Schichten überproportional an den Universitäten vertreten, sie sind allerdings nicht die einzigen, die studieren. Mit Maßnahmen wie Studiengebühren trifft man/frau nun allerdings jene – ohnehin unterrepräsentierten – sozial und finanziell weniger Begünstigten.
Durch die Herbeizitierung dieses so genannten „negativen Verteilungseffekts“ wird außerdem jeglicher über eine steuerliche Verteilungswirkung hinausgehende gesellschaftliche Ertrag von höherer Bildung verleugnet. Gerade aber im Informationszeitalter herrscht ein stetig steigender Bedarf an höherer Qualifizierung, ein entsprechendes Schritthalten mit diesen Anforderungen kommt letztlich der Gesellschaft als ganzes zugute. Nicht zuletzt hängt die Entwicklung einer Gesellschaft immer von ihrem Bildungsstand ab.
Es bleibt unbestritten, dass höhere Bildung in der Regel auch höhere private Erträge abwirft; dem muss durch ein entsprechend gestaltetes Steuersystem entgegen gewirkt werden, nicht durch finanzielle Hürden zum Hochschulstudium. Eine wirkliche Steigerung der Gerechtigkeit liegt aber wohl nur in einer allgemeinen Steigerung der Bildungsbeteiligung. Dies wird nur erreicht werden, indem die Hürden zum Zugang zur Universität abgebaut werden.
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Durch die Herbeizitierung dieses so genannten „negativen Verteilungseffekts“ wird außerdem jeglicher über eine steuerliche Verteilungswirkung hinausgehende gesellschaftliche Ertrag von höherer Bildung verleugnet. Gerade aber im Informationszeitalter herrscht ein stetig steigender Bedarf an höherer Qualifizierung, ein entsprechendes Schritthalten mit diesen Anforderungen kommt letztlich der Gesellschaft als ganzes zugute. Nicht zuletzt hängt die Entwicklung einer Gesellschaft immer von ihrem Bildungsstand ab.
Es bleibt unbestritten, dass höhere Bildung in der Regel auch höhere private Erträge abwirft; dem muss durch ein entsprechend gestaltetes Steuersystem entgegen gewirkt werden, nicht durch finanzielle Hürden zum Hochschulstudium. Eine wirkliche Steigerung der Gerechtigkeit liegt aber wohl nur in einer allgemeinen Steigerung der Bildungsbeteiligung. Dies wird nur erreicht werden, indem die Hürden zum Zugang zur Universität abgebaut werden.
