Studierende fordern Demokratisierung statt politischer Einflussnahme
Anlässlich der heute, Montag, zu Ende gehenden Begutachtungsphase des Gesetzes zur Hochschulwerdung der Pädagogischen Akademien legt die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) 9 Kritikpunkte dar.
Rosa Nentwich-Bouchal aus dem ÖH-Vorsitzteam kritisiert „offensichtliche Selektionsmechanismen, wie vom Rektor/Rektorin im Alleingang festzusetzende Knock-Out-Verfahren. Studiengebühren und versteckte Zugangsbeschränkungen, wie die Maximalstudiendauer, sind nach wie vor abzulehnen.“ Auch das Ignorieren der Bedürfnisse von Studierenden mit Kinderbetreuungspflichten ist ein wesentlicher Kritikpunkt der ÖH. Nentwich-Bouchal fordert zusätzlich ein „Ende der Isolation der Pädagogischen Hochschulen, national und international.“ Wesentliche Schritte zur gemeinsamen LehrerInnenausbildung seien nicht gemacht worden und „der Bologna-Prozess wurde schlichtweg ignoriert.“
„Anstatt die innere demokratische Struktur der Hochschule zu stärken, wird die politische Einflussnahme verfestigt“ kritisiert Barbara Blaha vom ÖH-Vorsitzteam. Dem einzig gewählten Gremium, der Studienkommission, wurde etwa der Einfluss auf Satzung, RektorInnen- und VizerektorInnenbestellung genommen und die ohnehin schon geringe Anzahl der StudierendenvertreterInnen von drei auf zwei reduziert. Außerdem fordert Blaha „eine demokratische, unabhängige Instanz die im Sinne der Frauenförderung Einfluss auf die Bestellung des Lehrpersonals nehmen kann. Hier finden sich bisher nur Lippenbekenntnisse.“
„Die ÖH fordert eine pluralistische Lehre, internationale Komparabilität, Demokratisierung ohne politische Einflussnahme, den Ausbau der bestehenden Studierendenrechte und eine Zurücknahme der sozial selektiven Barrieren“ stellen die ÖH-Vorsitzenden abschließend fest.
Die 9 Kritikpunkte (Selektion; Fremdbestimmung; Isolation auf internationaler und nationaler Ebene; Mangel an Frauenförderung; Gefährdung der Qualität des Fortbildungsangebots; 2-Klassen Forschung; politische Einflussnahme; Übernahme des Konkordats) zum download:
Die 9 Kritikpunkte der ÖH am Pädak-Hochschulwerdungsgesetz
Stellungnahme der ÖH zum Pädak-Hochschulwerdungsgesetz
Weitere Stellungnahmen:
17.10.2005
Stellungnahme des Landesschulrates für Salzburg:
Da auf nationaler Ebene keine Durchlässigkeit gewährt ist und die Bologna-Erklärung nicht umgesetzt wird „lehnt das Kollegium des Landesschulrates für Salzburg mehrheitlich das Einheben von Studiengebühren ab.“
17.10.2005
Stellungnahme der Österreichischen Rektorenkonferenz:
Die Konstruktion der Masterstudiengänge an den zukünftigen Pädagogischen Hochschulen „[beruht] auf einem fundamentalen Missverständnis der Bologna-Studienarchitektur.“
Bei zahlreichen Bestimmungen (u. a. §50 Abs 2 zu den Zugangsbeschränkungen) äußert die Rektorenkonferenz „erhebliche verfassungsrechtliche Bedenken.“
17.10.2005
Stellungnahme der vom BMBWK (!) eingesetzten Planungs- und Evaluierungskommission:
Der Namenswechsel zu „Hochschulen für Pädagogische Berufe“ ist von „inhaltlichen Defiziten“ gezeichnet. Die Hochschulen werden überdies der Möglichkeit „massiver politischer Einflussnahme“ ausgesetzt.
17.10.2005
Stellungnahme des Rechnungshofes:
Der Gesetzesentwurf „zielt [...] nur auf eine Weiterführung der ‚Pädagogischen Akademien’ unter geänderter Bezeichnung ab.“
11.10.2005
Stellungnahme des Landesschulrates für Steiermark:
„Das vorliegende Gesetz [...] stellt kein geeignetes Konzept für eine dringend notwendige Reform der österreichischen Lehrerbildung dar.“
Mehr Positionspapiere findest du auf parlinkom.gv.at