Positionen der ÖH Bundesvertretung zum Bildungsbegriff


Die Kernforderung der ÖH ist jene nach „emanzipatorischer Bildung“. Wir wollen hier kurz darstellen, was wir darunter verstehen, und auf mehrere, uns wichtige Aspekte des Konzepts eingehen.

Wechselwirkung zwischen Mensch und Umwelt

Wir verstehen Bildung als eine Wechselwirkung zwischen dem Individuum und seiner Umwelt – diese formen und beeinflussen sich gegenseitig. Zentral sind bei diesem Prozess das kritische Hinterfragen und Reflektieren. Dazu gehört das Bewusstsein darüber, dass das Wissen über sich selbst, andere und die Welt nie vollständig oder endgültig ist und dass andere Perspektiven eingenommen werden können. So sind Entwicklung und Emanzipation der Menschen und Gesellschaften möglich.

Unendlichkeit der Bildungsbewegung

Dadurch, dass Inhalte immer aufs Neue auf ihre Geltung geprüft werden, entsteht eine unendliche Bildungsbewegung. Man/frau kann zudem nicht zu einem vollständig gebildeten Menschen werden, denn es gibt keinen definierbaren Zustand, der beschreibt, dass der Bildungsprozess abgeschlossen ist.

Handlung

Bildung spielt sich nicht allein in den Köpfen ab; Wissensinhalte kritisch zu hinterfragen führt zunächst noch keinen Wandel der Beziehung von Mensch und Umwelt herbei. Um herrschende Verhältnisse zu verändern bedarf es des aktiven Handelns - genauso wie man erst dann von einer Entwicklung des Selbst sprechen kann, wenn im Verhalten, in Herangehens- und Ausdrucksweise eine Differenzierung erkennbar ist. Emanzipation ist genauso immer eine Bewegung, mit der ein einschränkendes Abhängigkeitsverhältnis aufgegeben wird.

Bildung und Institution

Der Begriff Bildung wird häufig auf die institutionalisierte Form in Schulen, Universitäten, etc. reduziert. Uns ist jedoch wichtig, zu betonen, dass Bildung jederzeit und überall stattfinden kann, nicht nur in diesen Institutionen.

Bildung und Hegemonie

Bildung kann nicht nur zur Abschaffung sozialer Ungleichheit benutzt werden sondern ist ebenfallsein Mittel zu deren Stabilisierung. In der Gesellschaft wird den Menschen ein unterschiedlicher Stellenwert zugeschrieben, je nachdem ob sie als gebildet angesehen werden oder nicht. Der Besuch bestimmter (Hoch-)Schulen ist als Ringen um gesellschaftlich anerkannte Positionen zu verstehen. Damit Bildung anerkannt wird, ist man/frau  gezwungen, sich im Rahmen der von der Gesellschaft angebotenen Ressourcen und Institutionen zu bewegen. In dieser Form hat Bildung oft eine disziplinierende und normierende Funktion.

Unsere Forderungen nach selbstbestimmtem Lernen, freiem Bildungszugang für alle und Anerkennung außerinstitutionell angeeigneter Kompetenzen basieren auf dem hier dargestellten Konzept von Bildung.



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