Du bist hier: Austrian Students Union | Fields of Activity and Offices | Tutorial project | Was ist das Tutorium(sprojekt)?

Was ist das Tutoriumsprojekt?

 


geschichte
das österreichische tutoriumsprojekt gibt es seit mitte der 70er jahre. aus lernhilfegruppen auf der tu- wien entstanden selbstorganisierte tutoriumsgruppen, in denen höhersemestrige ihre erfahrungen im unialltag an jüngere weitergeben wollten. infolge dessen wurden ausbildungen für angehende tutorinnen und tutoren organisiert, finanziert durch gelder der ÖH und des wissenschaftsministeriums.
die einzelnen projekte begannen sich durch österreichweite koordinationstreffen zu vernetzten. bis heute dienen diese mindestens dreimal jährlich stattfindenden treffen dem erfahrungsaustausch zwischen den einzelnen projektgruppen und der weiterentwicklung des projektes. als knotenpunkt im projekt und für die vertretung nach außen gibt es die zentralkoordination an der bundesvertretung, die sich aus projektinternen, fraktionslosen und unabhängigen mitarbeiterInnen zusammensetzt, die auf den basisdemokratischen koordinationstreffen gewählt werden.

durch den selbstorganisierten anspruch der einzelnen projektgruppen bei finanzieller unterstützung der österreichischen hochschülerInnenschaft und des BmBWK, hat sich das tutoriumsprojekt als einrichtung über jahre hinweg etabliert und entwickelt. im studienjahr 2003/04 z.b. gab es österreichweit 68 projektgruppen, die auf eine tutoriumsausbildung gefahren sind und die im anschluss tutorien angeboten haben.

was ist ein tutorium?
ein erstsemestrigen-tutorium ist eine gruppe von einigen personen (die größe kann variieren), die von ein bis zwei höhersemestrigen tutorInnen betreut werden. das tutorium soll anfängerinnen und anfängern den einstieg in die universität erleichtern und einen raum zum gegenseitigen kennenlernen, vernetzen und erfahrungsaustausch bieten.

daneben ist auch die vermittlung von informationen zur orientierung (wo sind bibliotheken, wie sieht der studienplan aus, wo gibt’s gschmackiges essen, wie funktionieren prüfungsanmeldungen, wie sind die institute aufgebaut, wo kriegt man weitere infos etc.) wichtig.
außer den erstsemestrigentutorien gibt es auch themenspezifische tutorien wie frauen-, männer-, lesbischwule-, integrations-, oder gendertutorien, die sich mit gesellschaftspolitischen und somit auch für universität und wissenschaft relevanten fragestellungen beschäftigen. das hauptaugenmerk liegt dabei auf den verschiedenen mehr oder weniger subtilen arten von diskriminierung innerhalb gesellschaftlicher strukturen und wissenschaftlicher inhalte. durch ihre reflexion soll ein prozess der bewussten auseinandersetzung mit diskriminierungsmechanismen gefördert werden.

vor allem unterscheiden sich erstsemestrigen- und themenspezifische tutorien von beratung und lehrveranstaltungen, da sie sich nicht in reiner weitergabe von informationen erschöpfen, sondern vielmehr anregung und hilfestellung für ein selbstorganisiertes leben im unialltag sein sollen: z. B. sollen anhand von lesekreisen, filmabenden und andere kulturellen aktivitäten, das kritische auseinandersetzen mit lehrinhalten gefördert, studentischer mitbestimmung vermittelt und universitäts- bzw. hirarchiestrukturen reflektiert und hinterfragt werden.

welche rolle hat dabei die tutorin, der tutor?
die tutorInnen sollten nicht nur informationen vortragen, sondern die tutoriumsteilnehmenden zu diskussionen und gegenseitiger hilfe anregen und die gruppenfindung unterstützen, damit sich ein funktionierendes netzwerk zur bewältigung des unialltages etabliert. letztendlich sollte die gruppe selbstständig agieren und sich die leitung durch eine tutorin oder einen tutor im laufe des semesters erübrigen.

was solltest du als tutorIn mitbringen?
um tutorIn zu werden, musst du KEINE begnadete gruppenleitung sein oder dich von anfang an in allen uni-belangen perfekt auskennen - du solltest einfach spaß an der zusammenarbeit mit menschen als auch interesse an der mitgestaltung deiner studiensituation und des lebensraums universität haben. außerdem musst du mindestens im dritten semester sein, da du mit den rahmenbedingungen deines studiums schon vertraut sein solltest.

ausbildung der tutorInnen
um dich gemeinsam mit den tutorInnen aus deiner studienrichtung (deiner projektgruppe) auf ein tutorium vorzubereiten, fährt die gruppe für 3- 4 tage mit einer ausgebildeten trainerin oder einem trainer auf ein tutoriumsausbildungsseminar, bei dem verschiedene themen erarbeitet werden (von gruppendynamik bis zu konkreten informationen, die im tutorium weitergegeben werden sollen). fragestellungen sind zum beispiel: wie motiviere ich erstsemestrige an einem tutorium teilzunehmen? wie leite und motiviere ich eine gruppe? was erwarten sich erstsemestrige von mir und was sind meine ziele? welche themen können in einem tutorium zur sprache kommen? wo sind andere anlaufstellen für erstsemestrige? Wie gehe ich mit differenzen innerhalb einer gruppe um?

ein schwerpunkt der tutoriumsausbildung ist es, den eigenen umgang mit einer gruppensituation zu erleben, um als tutorin oder tutor besser damit umgehen zu können und um verbindlichkeiten in der projektgruppe zu stärken. grundsätzlich ist es aber sache der jeweiligen gruppe, in welcher form und wie intensiv einzelne schwerpunkte in der ausbildung gesetzt werden.

wie arbeitet ihr als projektgruppe?
alle tutorInnen einer studienrichtung bilden zusammen die projektgruppe - treffen unter den tutorInnen sind wichtig, um die einzelnen tutorien miteinander zu koordinieren und sich gegenseitig (praktisch wie moralisch) zu unterstützen. dazu gibt es auch eine projektleiterin oder einen projektleiter, die/der die meisten organisatorischen aufgaben übernimmt und als ansprechsperson für die zentralkoordination (siehe oben) gilt.

wie organisierst du eine projektgruppe?
an vielen studienrichtungen gibt es bereits projektgruppen, an anderen könnten sie erst eingerichtet werden. wenn du dich für ein tutorium interessierst, aber nicht weißt, wer es organisiert, kannst du bei deiner studienrichtungsvertretung oder fakultätsvertretung nachfragen, wer zuständig ist, oder dich direkt an die zentralkoordination an der ÖH bundesvertretung wenden.

was machst du als projektleiter/in?
projektleiterInnen sind personen aus projektgruppen, die selbst bereits als tutorInnen gearbeitet haben oder die eine neue projektgruppe initiieren wollen. deine aufgaben als projektleitung sind die organisation des ausbildungsseminars und der kontakt zur zentralkoordination, zur fakultätsvertretung oder zu anderen projektgruppen deiner fakultät. aus dem kreis der projektleiterInnen einer fakultät soll nämlich eine projektvertretung gewählt werden, die als regionalkreiskoordinatorIn die kommunikation zwischen der zentralkoordination und den einzelnen projektgruppen erleichtert.