Gewalt gegen Frauen. Nicht mit uns!
An einem solchen Tag kann man/frau sich schon mal gewisse Fragen stellen: Warum wird dieser Tag begangen? Warum richtet sich Gewalt oft gegen Frauen? Welche Form nimmt diese Gewalt an? Und was kann ich dagegen machen?
Dieser Tag wird begangen, um aufzuzeigen, dass Frauen in besonderer Weise von Gewalt betroffen sind. Frauen auf der ganzen Welt sind Opfer von Gewalt. Es betrifft sie in allen Lebensbereichen und in allen Gesellschaftsschichten. Das gilt es sich bewusst zu machen.
In allen Bereichen spiegelt sich die Benachteiligung wieder, die Frauen aufgrund ihrer gesellschaftlichen Stellung erfahren. Sie werden nicht nur in vielerlei Hinsicht als machtlos gesehen. Frauen werden oft auf ihr Frausein, das heißt, auf ihr Geschlecht reduziert. Das zeigt sich zum Beispiel darin, dass Frauen sehr viel stärker nach ihrem Aussehen und ihrer Attraktivität beurteilt werden als Männer. Oft scheint an einer Frau ihre Wirkung (besonders auf Männer) das Interessanteste zu sein.
In vielen Menschen ist diese Einstellung sehr tief verwurzelt, obwohl sie weder bewusst ist noch mit Absicht gefasst wurde. Frauen und Männer gewöhnen sich von klein auf daran, dass sie mit unterschiedlichem Maß beurteilt werden. Sie lernen auch, sich dementsprechend zu verhalten. All das bringt Frauen in eine defensive Position.
Bei dieser Debatte denkt man/frau in erster Linie an physische Gewalt. Diese passiert in allen Lebenslagen- besonders Frauen. Sie passiert auf der Straße, im Unterricht oder am Arbeitsplatz, in der U- Bahn, im eigenen Zuhause. Frauen werden geschlagen, genötigt und vergewaltigt.
Aber Gewalt ausüben heißt nicht nur, zuzuschlagen oder jemandem auf irgendeine Art körperliche Schmerzen zuzufügen. Besonders Frauen sind auch auf ganz anderen Ebenen Gewalt ausgesetzt. Sie werden bedroht und unter Druck gesetzt- und oft genug steht dabei ihr Geschlecht und damit ihre Sexualität im Fordergrund. Das hat die Einstellung zur Folge, dass eine Frau benutzt werden darf um eigene Bedürfnisse auszuleben und zu befriedigen, auch wenn sie das selbst nicht will. Doch wenn Frauen sich schön anziehen, dann tun sie das nicht nur, um Männer zum Flirten zu ermutigen. Wenn Frauen tanzen, dann tanzen sie nicht nur, damit Männer ihnen dabei zusehen.
Eine Frau braucht es sich nicht gefallen zu lassen, dass sie gegen ihren Willen angesprochen oder gar beleidigt wird. Besonders in Lokalen und Bars, aber auch in öffentlichen Verkehrsmitteln kommt es auch nicht selten vor, dass Frauen sogar angefasst werden, ohne dass sie das wollen. Solche Handlungen verletzen die Würde von Frauen. Sie werden von außen oft nicht als schwerwiegend gesehen, aber sie können zu weit schlimmeren Situationen führen.
Um Gewalt an Frauen zu verhindern, wo immer das möglich ist, muss frau/man sich das Problem einmal bewusst machen. Das bedeutet als erstes, sich klar zu machen, welches Verhalten gegenüber Frauen angebracht ist. Es gibt immer wieder Situationen, wo frau/man ZeugIn von Verhalten wird, das diese Grenzen überschreitet. Wenn wir uns klargemacht haben, dass solches Verhalten nicht in Ordnung ist und eine gefährliche Entwicklung zur Folge haben kann, können wir auch angemessen reagieren.
Der zweite Schritt ist, die Scheu zu überwinden, sich in „private“ Angelegenheiten einzumischen. Die meisten Menschen sehen es als unhöflich an, zu kommentieren, was zwischen Fremden vor sich geht, auch wenn frau/man sich ihren/seinen Teil dazu denkt.
Diese Scheu ist uns von Kindheit an anerzogen worden. Sie trägt aber dazu bei, dass Täter viel leichteres Spiel haben und ihre Opfer unbehelligt in aller Öffentlichkeit aussuchen können. Dazu kommt, dass auch die Frauen selbst manchmal nicht die internalisierten Muster der Höflichkeit überwinden können, und sich deshalb nicht zur Wehr setzen.
Doch Menschen, die solche Situationen nicht einfach hinnehmen, können viel zur Bewusstseinsbildung beitragen. Es kann schon eine große Wirkung erreicht werden, indem sie/er einfach hingeht und sich erkundigt, ob alles in Ordnung ist, und der betroffenen Person Hilfe anbietet. Wenn sich der Verdacht als unbegründet herausstellt, muss frau/man eben mit der peinliche Situation leben.
Mit 16 Tagen im Jahr ist es noch nicht getan. Jeder Tag muss ein Tag gegen Gewalt an Frauen werden. Mit eurer Hilfe.
